FDP in Not
Eine Partei in Auflösung

Die Liberalen in der Krise: Generalsekretär Lindner kündigt den Dienst auf und bringt seinen Parteichef unter Druck. Dessen Kumpel Patrick Döring soll die Parteizentrale managen. Aber wie lange kann sich Rösler halten?
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BerlinDer designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring hat seine Partei zur Geschlossenheit aufgerufen. Die FDP befinde sich „in einer schwierigen Lage“ und brauche nun „Stabilität und Solidität“, sagte Döring am Mittwoch in den ARD-„Tagesthemen“. Zur Debatte um den umstrittenen Mitgliederentscheid zum Eurorettungsmechanismus ESM sagte Döring, dieser sei bereits dadurch, dass er stattgefunden habe, „ein Gewinn und ein Erfolg“. Der bisherige FDP-Generalsekretär Christian Lindner war am Mittwoch überraschend von seinem Amt zurückgetreten.

Lindner wollte sich die Watschen für den FDP-Mitgliederentscheid zum Euro-Rettungskurs wohl nicht mehr abholen. Am Mittwochmorgen, 9.00 Uhr, zwei Tage vor Bekanntgabe des Ergebnisses, teilte der FDP-Generalsekretär seinem Parteichef Philipp Rösler mit, dass er die Brocken hinschmeißt. Für Rösler kam der Rücktritt offensichtlich völlig überraschend. Aber er dürfte dann doch ziemlich schnell erkannt haben, was das bedeutet. Die „Boygroup“ aus Lindner, Rösler und Daniel Bahr, die angetreten war, um die FDP nach der Ära Guido Westerwelle zu retten, ist gerade auseinandergebrochen.

Zugleich steht Rösler verstärkt in die Schusslinie, auch wenn er bereits am Abend mit Patrick Döring einen neuen Generalsekretär vorstellen konnte. Nach Ansicht der Opposition befindet sich die Partei im freien Fall. Lindners Rücktritt wird nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel keine Auswirkung auf die schwarz-gelbe Koalition haben. Sie glaube, „dass wir in der Regierung völlig unbeschadet davon zusammenarbeiten können.“

Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum forderte auch Röslers Rücktritt. Die Partei sei in „Lebensgefahr wie nie zuvor“. Das verlange radikale Entscheidungen, sagte er dem Sender „Phoenix“. Andere in der Partei äußerten Zweifel, ob und gegebenenfalls wie lange der 38-jährige Rösler an der Spitze zu halten sein werde. Lindners Rücktritt könne eine Art Kettenreaktion auslösen.

„Die Partei ist in einer sehr schwierigen Situation“, sagte die stellvertretende Parteivorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Die Opposition reagierte mit Häme auf die Situation der Liberalen. „Die FDP steht vor dem Verfall, und der hat einen Namen: Philipp Rösler“, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles.

Kommentare zu " FDP in Not : Eine Partei in Auflösung "

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  • Die FDP wird sich auflösen, jedoch als Apothekerschutzvereinigung e.V. weiter präsent bleiben.

  • @ roadrunner

    Die Linken sind die Einzigen im ganzen Bundestag die Klartext reden. Hören Sie sich die Reden von Wagenkencht und Co einmal an - dann werden Sie feststellen, dass die Linken die Probleme und die Verursacher beim Namen nennen.

    Auch wenn sie (vielleicht) noch keine gangbare Lösung parat haben (die wird ohnehin nur auf europäischer Ebene zu finden sein), ist das ein himmelweiter Fortschritt gegenüber den Luftblasenproduzenten und Milliardärsgünstlingen der angeblichen christlichen Union.

  • @ realist

    Ich bin der Ansicht, dass das nicht der Auslöser für den Untergang der FDP war/ist.

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