FDP-Parteivorsitz
Westerwelle tritt ab für die junge Garde

Nun geht es plötzlich ganz schnell: FDP-Chef Guido Westerwelle wird im Mai nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren. Bis Dienstag soll feststehen, wer sein Nachfolger wird und ob er Vizekanzler bleiben kann.
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BerlinZwei Minuten und zwei Sekunden brauchte Guido Westerwelle nur, um nach zehn Jahren eine Ära zu beenden: seine eigene an der Spitze der FDP. Aufgeregt, mit angespannten Gesichtszügen verkündete der 49-Jährige am Sonntagabend in der Berliner Parteizentrale seinen Rückzug. Auf dem nächsten Bundesparteitag Mitte Mai in Rostock tritt er nicht wieder an.

Westerwelle begann mit den Worten: „Ich habe heute eine Entscheidung getroffen, die ich mir gründlich überlegt habe.“ Er endete mit: „Ich bin mir sicher, dass es die richtige Entscheidung ist, jetzt auch für einen Generationswechsel in der FDP mit einem Neuanfang zu sorgen.“ Dazwischen setzte er noch zwei Botschaften. 

Eine war deutlich: Außenminister will er unbedingt bleiben. Die andere muss man zwischen den Zeilen lesen: Auch vom Amt des Vizekanzler wird er sich wohl trennen müssen. In seiner aufs Genaueste vorformulierten Erklärung war davon keine Rede mehr.  

Erst morgens um 05.50 Uhr war Westerwelle nach einem 17-Stunden-Flug von einer Reise nach China und nach Japan zurückgekommen. Zuhause fand er ein politisches Trümmerfeld vor. Bis zum Nachmittag gingen immer neue Katastrophennachrichten aus den Landesverbänden im Thomas-Dehler-Haus ein. Der Tenor war allen gleich: „Ein Neuanfang ist mit Westerwelle nicht mehr vorstellbar.“ 

Spätestens jetzt merkte der FDP-Chef, dass die Lage für ihn ausweglos war - ein Gefühl, mit dem Westerwelle nur schwer umgehen kann. „Diese Entscheidung ist in ihm gereift“, hieß es am Abend lapidar. Trotz Schlafdefizit telefonierte er fast pausenlos den ganzen Tag über mit Vertrauten. Am Nachmittag dann teilte er seinen Entschluss in einer Schaltkonferenz allen Präsidiumsmitgliedern und den Landesvorsitzenden mit. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den FDP-Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher hatte er zuvor schon informiert. Die Kanzlerin muss sich jetzt auf Gewichtsverlagerungen bei ihrem Koalitionspartner einstellen. Westerwelle ist seit Oppositionszeiten ein Duz-Freund.

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  • Wie sagte der Kaleu Lehmann-Willenbrock (U96 - "Das Boot"): "...jetzt kommen die nassforschen Typen, die 'Quexe'...". Wie es damals ausgegangen ist, wissen wir - schrecklich und zum Schaden unseres Landes.

  • Es ist eine Frage mangels echter sittlicher und öffentlicher Kontrolle der Parteien (es fehlen die Selbstreinigungskräfte oder sie sind eliminiert worden) und fehlen korrigierende personenbezogene Selektionsmechanismen, wer in welche Machtpositionen für wie lange kommen kann! Man nennt es "repräsentative" Demokratie, bei der die Wähler nichts zu entscheiden haben und der Polit-Klüngel den Wasserstand im eigenen Sumpf selbst regelt, ohne wirksame Möglichkeiten, ihn von außen trockenzulegen.
    Darin besteht der eigentliche Mangel und hier muß auf rasche Veränderung gedrungen werden. Leider wird dieses Thema von den Parteien mit Blick auf die Selbsterhaltung systematisch umschifft!

  • Na endlich! Aber Generationswechsel mit 49? So ein Quatsch. Ich hatte gehofft, dass Diskriminierung wegen des Alters endlich in D der Vergangenheit angehoert. Stattdessen bedient sich wieder einer der "Junges Blut ist besser"-Frase. Wie alt waren denn Adenauer, Brandt, Ehrhardt? Bruederle oder die Leuthaeuse waeren mit jedenfalls tausendmal lieber als einer der Bubies, die noch nicht mal Haare auf der Brust haben.

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