FDP
Poker um Ministerämter eröffnet

Einen Tag nach der Forderung von CDU-Vize Christian Wulff, die FDP solle auf das Wirtschaftsministerium verzichten, reagiert man in der Zentrale der Liberalen gelassen. Doch mit steigenden Umfragewerten wachsen auch die Begehrlichkeiten der FDP auf Regierungsposten – die Union ist alarmiert.

BERLIN. Ruhe bewahren, abtropfen lassen. Einen Tag nach der Forderung von CDU-Vize Christian Wulff, die FDP solle auf das Wirtschaftsministerium verzichten, reagiert man in der Zentrale der Liberalen gelassen: Es bleibt bei dem, was Parteichef Guido Westerwelle seit Monaten wiederholt: „Es geht nicht um Posten, es geht um Deutschland“, sagt ein Sprecher. Mehr gebe es sechs Wochen vor der Bundestagswahl nicht zu sagen.

Philipp Rösler, Wulffs liberaler Wirtschaftsminister in Niedersachsen verkneift sich die Bemerkung, dass der CDU-Mann mit ihm doch sehr gut fahre: „Wir wollen gemeinsam mit der Union die Wahl gewinnen, und ebenso wie die CDU gehen wir davon aus, dass das gelingen kann. Bis dahin ist noch einiges zu tun, und deswegen beteiligen wir uns nicht an Personalspekulationen“.

Damit ist das Thema abgeschlossen – könnte man meinen. Ist es aber nicht. Wulff legt mit seiner Forderung, Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) müsse Wirtschaftsminister bleiben, nicht nur den Finger in die Wunde der CDU, die aus seiner Sicht offenbar keinen eigenen geeigneten Kandidaten hat. Hinter den Kulissen der Liberalen kursieren wenige Wochen vor der Bundestagswahl wie in anderen Parteien die Spekulationen, wer im Fall einer schwarz-gelben Regierung wohl welches Amt übernehmen könnte.

FDP-Chef Westerwelle gilt für das Amt des Außenministers als gesetzt. Der 47-Jährige gab im Mai seine „Bewerbungsrede“ für seinen Traumjob in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik ab. Den Journalisten diktierte er in die Blöcke: „Ich traue mir den Job zu“.

Im Zentrum der Spekulationen stehen deshalb wie bei der Bundestagswahl 2005 die beiden renommiertesten Fachpolitiker der Partei: Rainer Brüderle (64) und Hermann Otto Solms (69). Brüderle will ins Wirtschaftsministerium einziehen, Solms in das Finanzministerium. Doch nur einer kann zum Zug kommen. Um Streit zu vermeiden, empfiehlt man in der Parteispitze, die „Debatte von den Personen zu lösen und die Vor- und Nachteile der jeweiligen Ministerien zu sehen.“ Das Finanzministerium berge angesichts der hohen Verschuldung erhebliche Risiken, andererseits habe es großen Einfluss. Das traditionell von der FDP besetzte Wirtschaftsministerium habe mehr Möglichkeiten zur positiven Ausstrahlung, sei aber in den Kompetenzen eingeschränkt.

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