0 Bewertungen
04.08.2007 
BND-Untersuchungsausschuss sucht undichte Stelle

FDP und Linke wollen Journalisten schützen

Die Diskussion über die die Ermittlungen gegen Journalisten im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den BND-Untersuchungsausschuss geht weiter. Während FDP und Linke Journalisten nun gesetzlich schützen wollen, hält der SPD-Abgeordnete Johannes Jung die Aufregung für überzogen. Im Untersuchungsausschuss wird derweil nach der undichten Stelle geforscht.

HB BERLIN. Die Obleute der FDP- und der Linke-Fraktionen im BND-Untersuchungsausschuss, Max Stadler und Wolfgang Neskovic, wollen Journalisten nun gesetzlich vor einer Strafe wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat schützen und schlugen am Samstag in der „Neuen Presse“ eine entsprechende Änderung des Strafgesetzbuches vor. Neskovic (Linke) und der SPD-Abgeordnete Michael Hartmann wehrten sich gegen den Eindruck, dass allein Ausschussmitglieder oder deren Mitarbeiter geheime Dokumente zur BND-Affäre an Journalisten weitergereicht haben könnten. „Zu diesen Akten hatten bestimmt mehr als 100 Leute Zugriff – auch Regierungsbeamte“, sagte er.

Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, Hartmann. „Der Apparat ist groß. Vor allem ... gibt es die Ministerien“, sagte er der „Mainzer Allgemeinen Zeitung“. „Manche Unterlagen waren ja schon an der Öffentlichkeit, ehe wir, die Ausschussmitglieder, sie in die Hand bekamen.“

Nach der Berichterstattung aus geheimen Akten des BND-Untersuchungsausschusses waren 17 Journalisten ins Visier der Justiz geraten. Verfahren wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Geheimnisverrats wurden eingeleitet, was zu einer Welle der Empörung in der Medienbranche führte.

SPD-Abgeordneter hält Aufregung für überzogen

Der Ausschussvorsitzende Siegfried Kauder rechtfertigte in der „Neuen Presse“ die Ermittlungen. „Das Bundeskanzleramt hatte mich bereits darauf hingewiesen, dass es dem Ausschuss keine als geheim eingestuften Akten mehr zur Verfügung stellen würde, wenn das so weiter geht“, sagte der CDU-Politiker. Er habe sich gezwungen gesehen, zu reagieren. „Mir ging es darum, die Schotten dicht zu machen. Ich möchte herausfinden, wer der oder die Informanten sind.“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Jung hält die Aufregung über die Ermittlungen gegen Journalisten für überzogen. Das Vorgehen der Ermittlungsbehörden entspreche zwar nicht seinen Vorstellungen von Pressefreiheit, sagte Jung der „Frankfurter Rundschau“. „Aber ich kann die Aufregung auf Medienseite auch nicht ganz verstehen“, fügte er hinzu.

„Die Damen und Herren Journalisten, die den Ausschuss seit über einem Jahr begleiten, fischen nach allen möglichen Dokumenten. Und in der Berichterstattung wird auch das letzte, sattsam bekannte Detail zur Sensation aufgeblasen“, kritisierte der SPD-Politiker. „Mitunter konnte ich Auszüge aus geheimen Akten schon im Internet lesen, bevor der Ausschuss sie überhaupt erhalten hat.“

Bei dieser Art von Berichterstattung gehe es offensichtlich „um Auflagensteigerung und die Zahl der Klicks auf Websites“, meinte Jung. Der FDP-Politiker Stadler hatte der SPD vorgeworfen, Interna an die Öffentlichkeit gegeben zu haben mit dem Ziel, das Verhalten des damaligen Kanzleramtsministers Frank-Walter Steinmeier in einem besseren Licht erscheinen zu lassen.

Verleger Neven DuMont spricht von „groteskem Vorgang“

Der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont kritisierte die Ermittlungen als „grotesken Vorgang“. Es sehe so aus, als sollten die zweifelhaften Vorgänge, „die jetzt aufgedeckt worden sind, statt den Verursachern der Presse in die Schuhe geschoben werden“, schrieb der Ehrenpräsident des Bundesverbandes der Deutschen Zeitungsverleger im „Kölner Stadt-Anzeiger“ und in der „Frankfurter Rundschau“.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Hart umkämpfte Wahlkreise...

    Hart umkämpfte Wahlkreise für die SPD

    Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2009 etliche Direktmandate verlieren. Betroffen davon sind vor allem Wirtschaftspolitiker und Konservative der Bundestagsfraktion. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Lüthke Politikberatung für das Handelsblatt.Bildergalerie 

  • Becksteins mögliche Erben...

    Becksteins mögliche Erben in Bayern

    Nach dem Wahl-Debakel und nur zwölf Monaten Amtszeit gibt sich Ministerpräsident Günther Beckstein geschlagen. Die Parteikollegen trauerten nicht lang. Bereits am Dienstagnachmittag stellten sich drei Amtsanwärter zur Verfügung. Und mit Horst Seehofer hält sich auch ei...Bildergalerie 

  • Das politische Stehaufmän...

    Das politische Stehaufmännchen

    Im vergangenen Jahr war Horst Seehofer noch Erwin Huber bei der Wahl zum Parteivorsitzenden unterlegen, nun scheint der designierte neue Parteichef endlich am Ziel. Er wolle die CSU „in ihrem Mythos, in ihrer Einmaligkeit, in ihrer Erfolgsgeschichte“ der vergangenen fü...Bildergalerie 

  • Gift für die Weltwirtscha...

    Gift für die Weltwirtschaft

    Rund um den Globus nehmen die Schreckensnachrichten zu. Ihr Tenor: Die Turbulenzen der vergangenen Wochen haben die Risiken für die Weltwirtschaft deutlich erhöht, die Wachstumsraten der vergangenen Jahre werden sich so schnell nicht wiederholen lassen. Welche Risiken ...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Die Industrie erhalten  Artikel in Merkliste

06.10.2008 von Klaus Stratmann

Die Finanzkrise zeigt, wie wichtig die klassische Industrie für die deutsche Wirtschaft ist. Entsprechend umsichtig sollte sie beim Emissionshandel berücksichtigt werden. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

HRE: Offenbarungseid für die Branche  Artikel in Merkliste

03.10.2008 von Axel Höpner

Grund zum Jubeln gibt es wahrlich nicht. Nur widerwillig wollte sich manch Marktteilnehmer an dem Rettungspaket für die angeschlagene Hypo Real Estate beteiligen. Im Grunde ist die Aktion ein Offenbarungseid für die Branche. Kommentar