FDP
Westerwelle gewinnt Führungsstreit

Guido Westerwelle und Wolfgang Gerhardt haben ihren Streit um die künftige Führung der Liberalen im Bundestag beigelegt. FDP-Fraktionschef Gerhardt gibt sein Amt zum 1. Mai 2006 ab. Damit ist der Weg für Westerwelle frei, auch den Vorsitz der Partei zu übernehmen.

HB BERLIN. Gerhardt bestätigte am Donnerstagabend nach einer Präsidiumssitzung in Berlin entsprechende Berichte. Gerhardt unterstrich, dass es sich um einen gemeinsamen Vorschlag mit FPD-Chef Guido Westerwelle gehandelt habe. Der Vorschlag entspreche seiner persönlichen Lebensplanung.

Zu diesem Zeitpunkt soll Gerhardt nach dpa-Informationen Vorsitzender der parteinahen Friedrich-Naumann-Stiftung werden. Diesen Kompromiss wollten Westerwelle und Gerhardt am Abend dem FDP-Parteipräsidium vorlegen. Der bisherige Vorsitzende der Naumann-Stiftung, Otto Graf Lambsdorff, kündigte an, dass er 2006 vorzeitig sein Amt niederlegen werde. "Wenn er will, ist er ein ausgezeichneter Kandidat", sagte er zu einer Bewerbung von Gerhardt.

Der 43-jährige Westerwelle hatte noch in der Wahlnacht seinen Anspruch auf den Fraktionsvorsitz angemeldet, nachdem die FDP ein fast zweistelliges Ergebnis erreichte. Der 61-jährige Gerhardt war der Kandidat der FDP für das Amt des Außenministers für den Fall einer schwarz-gelben Bundesregierung. Westerwelle hätte in diesem Fall die Fraktionsspitze übernommen. Nach der Wahl drängten vor allem die jüngeren Mitglieder der neuen Bundestagsfraktion auf eine Verjüngung an der Spitze.

Westerwelle hatte Gerhardt 2001 nach einer Serie von FDP - Niederlagen aus dem Parteivorsitz gedrängt. Seitdem hat die FDP bei Wahlen meist zugelegt. Dabei traten beide Politiker als eine Art Doppelspitze auf. Auch in den offiziellen Sondierungen für eine Regierungsbildung vertreten Westerwelle und Gerhardt die FDP gemeinsam.

In Fraktionskreisen wurde ausgeschlossen, dass Gerhardt als Ausgleich für den Fraktionsvorsitz ein Amt als stellvertretender Bundestagspräsident anstreben könnte. Am Morgen hatte Westerwelle im Beisein von Gerhardt gesagt: "Wir sind uns einig." Zuvor hatte es Druck aus verschiedenen Landesverbänden der FDP auf Westerwelle und Gerhardt gegeben, es nicht auf eine Kampfabstimmung in der Fraktion ankommen zu lassen.

Die Liberalen erreichten bei der Bundestagswahl mit 9,8 Prozent eines der besten Ergebnisse ihrer Geschichte und sind drittstärkste Kraft im Bundestag. Westerwelle hatte Gerhardt bereits Anfang 2001 nach einem langen Führungsstreit aus dem Amt des Parteivorsitzenden verdrängt. Im Wahlkampf hatten sich beide Politiker in den vergangenen Monaten in demonstrativer Einigkeit präsentiert.

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