Fehlbehandlungen
Volkskrankheiten kosten Wirtschaft bis zu 75 Milliarden

Durch falsche Behandlungen weit verbreiteter Krankheiten entgehen den Firmen gewaltige Summen. Laut einer Studie würden frühe und effiziente Maßnahmen die Verluste deutlich senken. Doch die Arbeitgeber müssen mitspielen
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DüsseldorfDurch eine konsequentere Behandlung von Volkskrankheiten könnte die deutsche Wirtschaft ihre Produktivität um 20 Milliarden Euro im Jahr stärken. Dies ist das zentrale Ergebnis einer gemeinsamen Studie der Bertelsmann Stiftung und der internationalen Strategieberatung Booz & Company, über die das  Handelsblatt (Montagausgabe) berichtet. Danach verursachen allein Depression, Rückenschmerzen, Asthma, Bluthochdruck und Rheuma Produktivitätsverluste in Form von Arbeitsunfähigkeit, Fehlleistungen kranker Arbeitnehmer und Erwerbsunfähigkeit von 38 bis 75 Milliarden Euro.

Ein großer Teil dieser Verluste könne vermieden werden, wenn chronisch kranke Arbeitnehmer bei ihrer Therapie unterstützt würden. Dabei gehe es nicht allein um das pünktliche und konsequente Einnehmen von Pillen. Es gehe zudem um Veränderungen in der Lebensführung, aber auch um die Gestaltung der Belastungen am Arbeitsplatz, von den Arbeitsabläufen bis zur Pausengestaltung.  Insofern sei auch die Wirtschaft gefordert.

Die größten Verluste entstehen der Untersuchung zufolge mit bis zu 21 Milliarden beziehungsweise bis zu 26 Milliarden Euro für Arbeitgeber durch Depressionen und Rückenleiden. Rückenleiden führen besonders oft zu einer dauerhaften Erwerbsunfähigkeit – ein Hinweis darauf, dass die Unternehmen hier immer noch zu wenig tun, um die Betroffenen im Job zu entlasten. Bei den untersuchten fünf Erkrankungen ließen sich bis zu 27 Prozent der Produktivitätsverluste durch „überschaubare, aber gut strukturierte Programme“ senken, so Behner. „Dabei geht es nicht um eine ideale Welt, bei der sich alle zu 100 Prozent an die verordnete Therapie halten.“

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  • VOLKSGESUNDHEIT contra ARBEITSPLÄTZE

    Die Gesundheitsindustrie hat ein Interesse an "Nachfrage". Andere Industrien haben ein Interesse daran, dass Gesundheitsfragen nicht dem Umsatz im Wege stehen.

    Hier besteht eine elementarer Zielkonflikt für die Bürger und ein Interessengegensatz zwischen Industrie und Bevölkerung.

    Der Staat muss hier die Bewahrung und Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung (die die Kosten ihrer Krankheit selbst bezahlen muss) aus ethischen und auch wirtschaftlichen Gründen entschiedener als vorrangig gegenüber dem Ziel der Schaffung und des Erhalts von Arbeitsplätzen verteidigen.

    Da aber die Lobbygruppen mächtiger als die Politik sind und diese über gekaufte Gefälligkeitsgutachten "die Wissenschaft" als Verbündeten und Kronzeugen instrumentalisieren können, ist die Gesundheit faktisch nachrangig gegenüber einer florierenden Wirtschaft.

  • wie ich "die Wirtschaft" und die unter ihrer Ägide regierende Kanzlerin kenne, blutet auch dafür der einfache Steuezahler und kein anderer

  • Kosten? z.B. REHA: Jeder Rentner erhält keine Verlängerung! Arbeitnehmer erhalten eine Verlängerung. Ist dies menschenwürdig? Und unsere Banker? Frau Merkel wirft denen jeden Cent, auch von unserer Zukunft denen auch bei sehr schlechten bzw. keine Leistungen nach. Hauptsache Banker erhalten Vergünstigung!

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