Fehlende Koordination
Erneut über 13.000 NC-Studienplätze unbesetzt

Seit Jahren bemühen sich Bund und Länder um ein neues Studienzulassungsverfahren in Numerus-clausus-Fächern. Jetzt steht ein neues System bereit. Viele Hochschulen können aber nicht mitmachen. Oder wollen nicht.
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BerlinBund und Länder fürchten auch zum kommenden Herbst wieder gewaltige Probleme bei der Studienzulassung in den begehrten Numerus-clausus-Fächern. Von den 271 staatlichen Hochschulen sind bisher erst 17 ans „Dialogorientierte Serviceverfahren“ (DoSV) via Internet angeschlossen, das Mehrfacheinschreibungen und damit die Blockade freier Mangelplätze verhindern soll. Wegen fehlender bundesweiter Abstimmung konnten allein im vergangenem Herbst erneut fast 13.100 Bachelor-Studienplätze in zulassungsbeschränkten Studiengängen nicht besetzt werden.

Diese Zahlen gehen aus internen Analysen von Kultusministerkonferenz (KMK) und Bundesbildungsministerium hervor, die der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegen.

Die Studienzulassung in den NC-Fächern (NC) sei weiterhin „unbefriedigend“, heißt es darin übereinstimmend. Das ungeordnete Einschreibsystem für Studienanfänger führe wegen der vielen notwendigen Nachrückverfahren zu einem „gestörten Studienbetrieb im ersten Semester“.

Grund für die Probleme ist, dass der seit 2009 mehrfach angekündigte Start des neuen zentralen Studienzulassungssystems via Internet für die NC-Studiengänge mehrfach aufgeschoben werden musste. Das System ist jetzt voll einsetzbar, die neue Rechner-Schaltstelle in der ehemaligen Dortmunder Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) steht bereit, heißt es bei der Stiftung „hochschulstart.de“. Der Bund hat in die Entwicklung des Systems 15 Millionen Euro investiert. Doch was nach wie vor fehlt ist die technische Anbindung zum überwiegenden Teil der Hochschulen.

Dort wird vereinzelt noch mit bis zu 30 Jahre alter Software gearbeitet, die mit dem hochmodernen DoSV-System nicht harmoniert. Zwar lassen sich diese Schnittstellen-Probleme inzwischen durch zusätzliche Geräte vor Ort lösen, doch die Frage der Finanzierung ist zwischen Ländern und Hochschulen häufig strittig. Auch gibt es in einigen Universitäten grundsätzliche Vorbehalte gegen das System.

Für das kommenden Wintersemester gibt es erstmals einen Pilotbetrieb. Doch wegen der spärlichen Hochschulbeteiligung können laut KMK-Bericht diesmal lediglich für 22 der insgesamt 3.246 Bachelorstudiengänge mit Orts-NC die Studienplätze vergeben werden. Bisher machen nur sieben Universitäten und zehn Fachhochschulen mit.

Die Probleme sind seit Jahren bekannt. Vor allem an den Universitäten konnten jährlich tausende begehrte Numerus-clausus-Plätze wegen des Fehlens eines koordinierten Zulassungsverfahrens nicht besetzt werden. Dies hat bundesweit zu einem lukrativen Geschäft für Rechtsanwälte geführt, die Studienbewerber gegen Honorar auf die unbesetzten Plätze nachträglich einklagen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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