Fehlende Rendite
Bildung: „ausreichend“

Bildung heißt das neue Zauberwort. Alle dunklen Prophezeiungen soll es abwenden: die schärfer werdende Konkurrenz auf dem globalen Markt, Arbeitslosigkeit, Armut, Integrationsprobleme von ausländischen Mitbürgern usw. Doch im deutschen Bildungssystem hakt es: Das Engagement in Studium und Weiterbildung bringt (noch) nicht die erhoffte Rendite.

Die grassierende Verunsicherung haben die politischen Forderungen nach mehr Bildung bislang nicht gebannt. Noch leidet ihre Glaubwürdigkeit darunter, dass sie sich im Widerspruch zur fassbaren Realität befinden. Bildungsanstrengungen erscheinen vergleichsweise unlukrativ.

Zwar ist nicht zu leugnen, dass Akademiker weitaus bessere Chancen am Arbeitsmarkt haben und selbstverständlich höhere Einkommen erzielen als Schul- oder Berufschulabbrecher. Selbst wenn sie wegen ihres Studiums zehn Jahre später ins Erwerbsleben eintreten, erreichen sie rechnerisch etwa im sechsten Jahr ihrer Erwerbstätigkeit dasselbe Gesamteinkommen wie ein Arbeiter ohne Berufsausbildung.

Andere Zahlen zeichnen ein weitaus negativeres Bild. Sie geben klare Hinweise darauf, warum alle Appelle zu mehr Bildung bislang zu wenig fruchten, und führen zu der Erkenntnis, dass die ökonomischen Anreize für individuelle Bildungsanstrengungen falsch gesetzt sind: Was hilft dem ungelernten Arbeiter die Erkenntnis, dass er mit Studium mehr verdienen würde? Er will wie jeder andere wissen, was es ihm in Euro und Cent bringt, wenn er sich zusätzlich anstrengt und fortbildet. Bildungsrenditen, die angeben, um wie viel Prozent sich das Arbeitseinkommen durch eine zusätzliche Bildungsmaßnahme erhöht, geben die Sicht frei auf die wirkliche Situation. Noch gibt Bildung vielen nicht die Perspektive, ihre eigene Lebenssituation konkret zu verbessern. Viele Hürden versperren den Weg.

Deutschland hinkt bei den Bildungsrenditen hinterher. Seit den 1980er-, aber vor allem seit den 90er-Jahren nehmen die Werte bei uns ab, während sie in anderen Industrieländern wie den USA und Großbritannien überwiegend zugelegt haben (Quelle: Fraunhofer Institut 2005, Entwicklung der privaten Bildungsrenditen 1980-2004).

Selbst die Bildungsrenditen von universitären Abschlüssen in der gewerblichen Wirtschaft zeigen in Deutschland trotz der stark zunehmenden Nachfrage nach höher qualifizierter Arbeit keine positive Entwicklung an. Sie gingen im Verlauf der Jahre 1980 bis 2004 sogar leicht zurück. Ausgerechnet die Bildungsrenditen der für die Innovationskraft der Wirtschaft besonders wichtigen Naturwissenschaftler und Ingenieure haben sich verschlechtert. Die Gründe für die Abwanderung von Spezialisten ins Ausland sind nicht nur bei den verbesserungswürdigen Arbeitsbedingungen an unseren Universitäten zu suchen. Es gibt auch ökonomische Ursachen.

Eine noch deutlichere Minderung der Bildungsrendite verzeichnen Haupt- und Realschulabsolventen. 2006 lag ihr finanzieller Vorteil gegenüber einem Schul- oder Berufsschulabbrecher gerade einmal bei 20 Prozent. Das heißt: Wer im Jahr 2006 ein zusätzliches Jahr zur Schule ging und sich um seinen Abschluss mühte, braucht durchschnittlich bis 2011, um sein entgangenes Einkommen auszugleichen.

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