Fehlendes Streben
Beck warnt vor „Unterschichten-Problem“

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat vor einem wachsenden „Unterschichten-Problem“ in Deutschland gewarnt. In weiten Teilen der Bevölkerung lasse das Streben nach, sich um sozialen Aufstieg zu bemühen. Das sei Besorgnis erregend, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

dpa BERLIN. Es gebe viel zu viele Menschen, die sich keinerlei Hoffnung mehr machten, den Aufstieg zu schaffen. Sie hätten sich oft mit ihrer Situation arrangiert und fänden sich damit ab. „Früher gab es in armen Familien, auch in meiner eigenen, das Streben der Eltern: Meine Kinder sollen es einmal besser haben.“

Der Staat müsse hier „unterstützend eingreifen, fördern und fordern“, verlangte Beck. „Für den Teil der Gesellschaft, der uns zu entgleiten droht, ist der vorsorgende Sozialstaat gefragt, den meine SPD will.“ In Kinderbetreuungsstätten müssten Sprachfähigkeit und Leistungswille gefördert werden, damit Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern die Chance und den Ehrgeiz hätten, aufzusteigen. „Ohne Leistungswillen kann keine Gesellschaft auf Dauer bestehen.“ Die SPD werde sich dieser Aufgabe annehmen.

Unterstützung erhält Beck von den Liberalen: Ohne Leistungswillen könne eine Gesellschaft dauerhaft nicht bestehen, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jürgen Koppelin. Statt die Vorsorge weiter auszubauen müsse der Staat jedoch „dafür sorgen, dass sich Leistung lohnt und dass Eigenverantwortung besser ist als staatliche Betreuung in allen Lebenslagen“. Wenn die Politik nicht reagiere, steigere das die Chancen radikaler Parteien.

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