Fehler in Ostdeutschland
BDI räumt Glaubwürdigkeitsproblem ein

HB BERLIN. In der Kapitalismusdebatte hat der Chef des Bundesverbandes der Industrie (BDI), Jürgen Thumann, erstmals eine Mitverantwortung der Wirtschaft eingeräumt. «Wir Unternehmer haben ein Glaubwürdigkeitsproblem, das akpzeptiere ich», sagte Thumann dem «Tagesspiegel am Sonntag». Die Kritik von SPD-Chef Franz Müntefering sei dennoch überflüssig. «Diese Debatte wird auf einem üblen Niveau geführt. Die verschreckt nicht nur die Unternehmer in Deutschland, sondern auch ausländische Investoren», sagte er.

Die Unternehmer müssten allerdings stärker als bisher durch «vorbildliches Verhalten» wirken, sagte Thumann weiter. «Ich meine, dass wir uns der Verantwortung, auch der sozialen Verantwortung stellen müssen, bevor wir hier Arbeitsplätze abbauen.» Wenn jemand auch langfristig ausreichende Gewinne erwirtschafte und trotzdem Produktion verlagere, könne er das «nicht nachvollziehen», sagte der BDI-Chef.

Die Glaubwürdigkeitskrise der Unternehmen habe auch mit Fehlern in Ostdeutschland zu tun: «Wir haben zu schnell abgebaut, wir haben nicht ernsthaft genug geprüft, ob wir sie nicht doch erhalten, sanieren und aufbauen können. Im Rückblick hätten wir mehr retten können als wir gerettet haben», gestand Thumann ein.

Weitere Spitzenvertreter der Wirtschaft rieten indes Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), die Diskussion schnell zu beenden. «Deutschland katapultiert sich sonst ins Abseits», sagte Lufthansa-Aufsichtsratschef Jürgen Weber der «Welt am Sonntag». Er drohte, sein Amt als Regierungsbeauftragter für Investitionen aus dem Ausland aufzugeben und kündigte ein klärendes Gespräch bei Schröder an. Die Diskussion sei «höchst gefährlich, weil sie Feindbilder aufbaut und Zweifel an unserer marktwirtschaftlichen Verlässlichkeit bewirkt».

Als erster Vorstandschef eines Dax-Unternehmens wandte sich Bayer-Chef Werner Wenning scharf gegen Münteferings Kapitalismus-Kritik. Ein mit «überkommenen Klassenkampfparolen» gespickter Streit sei nicht hilfreich, sagte Wenning der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Wenn ein Unternehmen sich im globalen Wettbewerb behaupten wolle, müsse es Investoren eine attraktive Rendite bieten.

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