Feldversuch
Ramsauer lässt Riesenlaster auf die Straße

Unternehmen und Wirtschaftsverbände haben sich auf Regeln für die Fahrt von Lang-LKW geeinigt. Bundesverkehrsminister Ramsauer kann nun den Startschuss für Feldversuche in acht Bundesländern geben.
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Am Ende musste Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) noch einmal selbst intervenieren, danach einigten sich die Wirtschaftsverbände und führende Unternehmen auf Regeln für den Einsatz besonders langer LKW auf deutschen Autobahnen. Wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen der Initiative für innovative Nutzfahrzeuge (IIN)erfuhr, sollen die sogenannten Lang-LKW eine Länge von maximal 25,25 Metern haben und in der Regel maximal 40 Tonnen wiegen. Die IIN tragen 16 Wirtschaftsverbände sowie die Deutsche Post DHL sowie Lufthansa Cargo.

Bis zuletzt drohte die Einigung zu scheitern. Wie das Handelsblatt am Donnerstag berichtet hatte, wollte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) aus der Initiative austreten. In einer internen Mail, die dem Handelsblatt vorliegt, schrieb der zuständige BDI-Abteilungsleiter an die Mitglieder der IIN: "Wir bitten darum, unser Logo zu streichen." Nachdem der Streit öffentlich geworden war, intervenierte Verkehrsminister Ramsauer noch einmal persönlich während seiner Dienstreise in Brasilien. Danach stand der Kompromiss.

Mit der Einigung kann Minister Ramsauer nun den Startschuss für die Feldversuche geben. Mehrere Hundert Unternehmen haben sich schon angemeldet. Sie können offiziell durch acht Bundesländer fahren, darunter die Flächenländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Niedersachsen. Die anderen SPD-regierten Länder hatten die Versuche in ihren Ländern abgelehnt. Unter der Hand allerdings vergeben sie munter Ausnahmegenehmigungen, die sie sich von den Unternehmen bezahlen lassen.

Hintergrund des kurzzeitigen Austritts des BDI aus der eigens gegründeten Initiative IIN war ein Streit über Grundsatzfragen des Lang-LKW. Während zunächst Mitglieder des BDI, wie etwa die Stahl- und die chemische Industrie auf besonders schwere LKW setzten, die mehr als 44 Tonnen transportieren können, pochte der BDI am Ende auf verbindliche Maße der öffentlich in der Kritik stehenden Lang-LKW. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung plädierte für eine LKW-Länge von bis zu 26,50 Metern, um sie an die Entwicklung im Containerverkehr anpassen zu können. Im Vorfeld hatte Minister Ramsauer (CSU) aber verlangt, dass die LKW nicht mehr als 40 Tonnen wiegen und nicht länger als 25,25 Meter sein dürfen, um Widerstände bei Umweltverbänden und dem ADAC zu vermeiden.

Im IIN-Papier betont die Wirtschaft jetzt, dass der Lang-LKW keine Konkurrenz zur Bahn sein, sondern vielmehr helfen soll, kombinierte Verkehre auf der Schiene und der Straße zu verbessern. Grundsätzlich erhoffen sich die Befürworter, dass mit einem langen LKW, eine von den normalen Fahrten entfällt und zudem 20 bis 30 Prozent weniger Benzin verbraucht wird. Zudem werde das Gewicht auf mehrere Achsen verlagert, so dass auch die Straßen nicht mehr so stark beansprucht werden.

Kommentare zu " Feldversuch: Ramsauer lässt Riesenlaster auf die Straße"

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  • ein verkehrsminister, der mehr verkehr auf die schiene bringen will entscheidet hiermit genau das gegenteil. die straßenlobby versiegelt noch mehr landschaft und riskiert mehr unfälle. die bahn könnte diese gelder effektiver verwenden. volkswirtschaftlich wird gegen das volk entschieden, wer verdient daran? mfg willy

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