Fernduell Berlin-München
Angela Kohl vs. Edmund Strauß

Noch ist Angela Merkel nicht Kanzlerin, aber ihr scheint es nicht besser zu ergehen als Helmut Kohl: Auf die Loyalität von des Bayern Franz Josef Strauß konnte Kanzler Kohl nicht bauen. Strauß' Ziehsohn Edmund Stoiber verhält sich offenkundig genauso.

BERLIN. Der CSU-Vorsitzende Strauß strapazierte die „Männerfreundschaft“ zu Kohl, reizte ihn bis aufs Blut und schreckte vor Demütigungen nicht zurück. Der heutige CSU-Chef Edmund Stoiber düpiert eins ums andere Mal die Kanzlerin in spe, zwingt ihr zunächst ihren Widersacher Horst Seehofer als Kabinettsmitglied auf, zermürbt die designierte Kanzlerin im Streit um die Kompetenzen des Wirtschaftsministeriums und zieht sich dann unter dem durchsichtigen Vorwand des Müntefering-Rücktritts auf seine Trutzburg in Bayern zurück. Der Machtkampf zwischen den Vorsitzenden der beiden Schwesterparteien wird nun aus der Distanz geführt – so, wie es zwischen Strauß und Kohl war.

Edmund Stoiber hat über „Hausfriedensbruch im Licht aktueller Probleme“ promoviert – kein schlechtes Thema für einen Politiker, wenn der Haussegen so häufig schief hängt wie zwischen den Unionsparteien.

Angela Merkel hat Stoiber 2002 den Vortritt bei der Unionskanzlerkandidatur gelassen. Stoiber glaubte am Wahlabend des 22. September 2002, schon gewonnen zu haben, aber nach einem Auszählungskrimi konnte Schröder weiter regieren. Mit 38,5 Prozent der Stimmen hat er für die Union ein besseres Ergebnis erzielt als Angela Merkel mit 35,2 Prozent bei dieser Wahl. Zu diesem schlechteren Wahlergebnis hat aber Stoiber mit seiner Wahlkampfäußerung über die frustrierten Ostdeutschen beigetragen. Auch blieb das CSU-Ergebnis in Bayern fast genauso stark hinter dem Ergebnis von 2002 zurück wie das der CDU.

Angela Merkel kann mit ihrem schlechteren Ergebnis Kanzlerin werden, für Stoiber hat es dagegen nicht gelangt. Strauß erging es nicht anders. Er setzte sich 1979 als Kanzlerkandidat der Union durch und erreichte 1980 44,5 Prozent der Stimmen. Das reichte nicht, um die sozialliberale Koalition unter Helmut Schmidt abzulösen. Erst Helmut Kohl schaffte dies. Er stürzte Schmidt mit Hilfe des von der FDP unterstützten konstruktiven Misstrauensvotums. Bei der Bundestagswahl am 6. März 1983 wurde Kohl mit 48,8 Prozent der Stimmen für die Union bestätigt.

Strauß erging es wie Stoiber heute. Beide CSU-Chefs haben sich stets als die besseren Politiker gesehen. Kohl schreibt in seinen Memoiren, Strauß habe ihn immer spüren lassen, dass er sich für den besseren Mann im Kanzleramt hielt. Angela Merkel wird wohl, wenn sie eines Tages ihre Memoiren schreibt, Ähnliches über Edmund Stoiber berichten.

Strauß schwankte 1982 nach dem Regierungswechsel zwischen der Entscheidung, nach Bonn zu gehen oder Ministerpräsident in Bayern zu bleiben. Er entschied sich für München, vor allem , weil Kohl ihm nicht das von der FDP reklamierte Außenministerium geben konnte. In den folgenden Jahren rieb er sich an Genscher und der FDP, startete außenpolitische Alleingänge und machte Kohl das Leben schwer.

Anders als von 1966 bis 1969 – Kiesinger wurde 1967 CDU-Vorsitzender – gehören, wenn Matthias Platzeck zum SPD-Chef gewählt wird, zwei Parteichefs der Koalition nicht dem Kabinett an. Das verlagert das politische Kräftezentrum aus dem Kabinett heraus – keine rosigen Aussichten für Angela Merkel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%