Fernsehkritik Anne Will
Heißer Brei mit Martin Schulz

Als Solo-Gast in Anne Wills Talkshow zeigte sich der SPD-Kanzlerkandidat kraftstrotzend. Und es gab ein paar Hinweise, dass der Wahlkampf gegen die „sozialdemokratisierte“ Bundeskanzlerin spannend werden könnte.
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DüsseldorfWar es „Ehrgeiz, Machthunger oder Selbstüberschätzung“, die Martin Schulz bewegt haben, für den Bundeskanzler-Posten zu kandidieren? So lautete eine der ersten Fragen Anne Wills an den Sologast ihrer Talkshow am Sonntagabend. „Es wird Sie nicht überraschen, wenn ich mich selbst nicht der Selbstüberschätzung bezichtige“, antwortete der designierte Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende der SPD. Und was in der einstündigen ARD-Sendung dann noch folgte, überraschte ebenfalls so gut wie gar nicht.

So brachte Schulz, der am selben Sonntag vor hunderten Sozialdemokraten seine Antrittsrede gehalten und auch bereits eine „Was nun, Herr Schulz?“-Sondersendung im ZDF absolviert hatte, alle Schlüsselbegriffe seines frisch angelaufenen Wahlkampfs auch bei Anne Will souverän unter.

Natürlich äußerte er wiederholt die Selbsteinschätzung, dass er nicht „um den heißen Brei herum“ rede. Es waren knapp zehn Minuten vergangen, da hatte er „die hart arbeitende Mitte des Landes“, von der er als Zielgruppe des SPD-Wahlkampfs gerne und oft spricht, gleich doppelt erwähnt. Und keine weiteren zehn Minuten waren vergangen, da hatte er auch von denen, „die sich an die Regeln halten“ und um deren Bedürfnisse der Staat sich stärker kümmern müsse, gleich dreimal geredet. Gegen die, die sich an die Regeln nicht halten, müsse der Staat vorgehen, zum Beispiel auch gegen „Leute, die auf einem Bahnhofsvorplatz unsere Frauen angreifen“, sagte er später noch.

An plastischen Beispielen für Menschen, die für die hart arbeitende Mitte stehen, herrschte ebenfalls kein Mangel. Vom „Bäckermeister um die Ecke“, aber auch von „Menschen, die kleine und mittlere Unternehmen führen“, und von vielen seiner Nachbarn aus dem nordrhein-westfälischen Würselen sprach der SPD-Mann.

Martin Schulz hatte bei der kraftstrotzenden Selbstdarstellung leichtes Spiel, weil die Interviewerin das Viele, was in der vergangenen Woche über Schulz gesagt und geschrieben worden war, erwartbar durchdeklinierte. Der SPD-Mann sah seine Herkunft aus einer Kleinstadt in der Provinz erwartungsgemäß als weiteren Beleg dafür, dass er die Sorge der hart arbeitenden Mitte verstehe.

Und die Europapolitik, der er sich seit den 1990er Jahren widmet, und die deutsche Innenpolitik, von der er nach Ansicht einiger Kritiker weniger verstehe, ließ er nicht auseinanderdividieren. Schließlich werde die Innenpolitik in EU-Mitgliedsstaaten zu einem großen Teil aus Brüssel beeinflusst.

Wichtiges Motiv im SPD-Wahlkampf wird es sein, die Verantwortung für die aktuelle Bundesregierung mit dem Argument von sich zu weisen, dass die SPD dort ja nur „Juniorpartner“ ist. Auch das demonstrierte das Nicht-Regierungsmitglied Schulz häufig. Ein überzeugenderes dramaturgisches Element als die überflüssige Idee, ihn einen Auszug aus Sigmar Gabriels vergangene Woche viel diskutiertem „Stern“-Interview vorlesen zu lassen, war ein kurzer Filmbeitrag aus Essen-Altendorf, in dem per Straßenumfrage der SPD allerhand harte Vorwürfe gemacht wurden.

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Kommentare zu " Fernsehkritik Anne Will: Heißer Brei mit Martin Schulz"

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  • Der FOCUS schrieb schon 2014, dass Schulz wegen Größenwahn in psychiatrischer Behandlung war. Alkoholiker war er bekanntermaßen auch schon.
    Hat unser Land keine besseren Leute für die Politik?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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