Fernsehsender warten auf Auftritt des Bundespräsidenten
Die Show in Köhlers Schloss

Bundespräsident Horst Köhler macht es spannend - zu spannend, wie manche Programmmacher meinen. Sie zerbrechen sich den Kopf darüber, wann Köhler endlich vor die Kameras treten wird, um seine Entscheidung über Neuwahlen in Deutschland bekannt zu geben. Private und Öffentlich-Rechtliche fürchten um ihre Quote. "Wir gehen davon aus, dass der Bundespräsident keinen Sender bevorzugen wird", sagt N24-Chef Torsten Rossmann warnend.

DÜSSELDORF. Die TV-Unternehmen werden stündlich ungeduldiger. Weder ARD noch ZDF oder gar die kleinen Konkurrenten Phoenix und N 24 wissen, wann, wo und wie Köhler die Öffentlichkeit informieren wird. Ein Senderchef mit guten Verbindungen ins Bundespräsidialamt berichtet, dass Köhler in einem Nebengebäude seines Berliner Amtssitzes, dem Schoss Bellevue, am Freitag vor die Kameras treten wird. Ein anderer spricht von 10 Uhr morgens.

Doch nichts ist sicher - auch nicht, ob die Botschaft live ausgestrahlt wird oder als Videokonserve an die Sender geht. "Phoenix hat, wie andere Fernsehanstalten, Vorsorge getroffen, wenn Ort und Zeit der Ansprache des Bundespräsidenten bekannt gegeben werden", sagt Senderchef Klaus Radke. Mit dem höchsten Mann der Republik haben Deutschlands Fernsehsender bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Bei der Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten konnten sich Kameraleute und Techniker entspannt zurücklehnen: Denn die salbungsvollen Worte wurden den Sendern vom Bundespräsidialamt als Video frei Haus geliefert.

Wenn es nach dem Willen der Privaten geht, soll Köhlers Entscheidung nicht aus der Konserve kommen: "Der Bundespräsident sollte live vor die Kameras treten", fordert N24-Chef Rossmann. Auch auf dem Mainzer Lerchenberg rätseln die Politikexperten über Köhlers Kommunikationsstrategie: "Wir wissen nichts", sagt ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Nicht, ob Köhler einen Boten zum Bundestagspräsidenten und anschließend zum Kanzler schicke - und schon gar nicht, wie und wann die Medien und die Öffentlichkeit informiert werden.

Dass Köhler seine Entscheidung im Fernsehen bekannt geben wird, gilt aber als sicher. Schließlich wäre er nicht der erste Bundespräsident, der diese folgenschwere Wahl derart verkünden würde: Seine Amtsvorgänger Gustav Heinemann und Karl Carstens hatten 1972 und 1983 in einer Fernseh- und Radioansprache der Republik mitgeteilt, dass sie den Bundestag auflösen.

Die Folgen von Köhlers Entscheidung über Neuwahlen sind so weitreichend, dass sogar Nachrichtenveteranen nicht drängen: ZDF-Chefredakteur Brender spricht von einem "Staatsakt", dies sei "kein Moment für Exklusivität". Auch seine Kollegen von der ARD haben Verständnis. An Leitungen und Kameras wird es nicht fehlen: "Wir sind - wie alle anderen Fernsehsysteme auch - auf alle Eventualitäten eingerichtet", sagt ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann.

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