Filbinger-Rede
Oettinger versteht Aufregung nicht

Günther Oettinger bleibt dabei: Der baden-württembergische Ministerpräsident hält auch nach der massiven Kritik an seiner Würdigung des umstrittenen früheren Regierungschefs Hans Filbinger fest. Politische Gegner und der Zentralrat der Juden sind empört und werfen Oettinger Geschichtsklitterung vor.

HB BERLIN. Auf die Trauerrede folgte der Aufschrei der Empörung. Die Rede von Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger am Sarg seines Vorgängers Filbinger provozierte heftigen Widerspruch - erst vom Zentralrat der Juden, dann auch von SPD und Grünen. Doch Oettinger verteidigte seine Wortwahl und ging heute in die Offensive.

„Meine Rede war öffentlich, ernst gemeint und die bleibt so stehen“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag dem Privatsender „Radio Regenbogen“. Oettinger sagte, er habe nach der Trauerfeier von vielen Teilnehmern Zustimmung und Lob erhalten. Bei einer Trauerfeieer gehe man auf das Lebenswerk des Verstorbenen ein.

Der Ministerpräsident hatte tags zuvor am Sarg Filbingers gesagt, dieser sei ein Gegner des Nationalsozialismus gewesen. Oettinger zog damit scharfe Kritik von SPD, Grünen und dem Zentralrat der Juden auf sich. Filbinger war in der Nazi-Zeit Marine-Richter. Als dies 1978 bekannt wurde, trat er vom Amt des Ministerpräsidenten zurück.

Den Vorwurf der SPD-Landesvorsitzenden Ute Vogt, er betreibe Geschichtsklitterung, wies Oettinger zurück. „Ich habe aber jetzt nicht die Absicht, einen Tag nach der Trauerfeier hier diese Kampagne von Rot und Grün aufzugreifen“, fügte er hinzu.

Vogt erklärte: „Herr Filbinger ist für mich weiterhin der furchtbare Jurist.“ Oettinger habe mit seinen Worten keinen Schlussstrich unter die Debatte gezogen, sondern sie wieder angefacht. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, sagte: „Durch Filbingers Urteile sind Menschen umgebracht worden. Noch nach Kriegsende hat er für die Vollstreckung eines Todesurteils persönlich gesorgt.“

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte die Äußerungen Oettingers als wenig hilfreich kritisiert. „Sie sind vor allem unnötig und deplatziert gewesen“, sagte Generalsekretär Stephan Kramer.

Der SPD-Altpolitiker Erhard Eppler sagte, die Bezeichnung Filbingers als NS-Gegner sei sehr pauschal. Jemand aus der Generation Oettingers könne da kein endgültiges Urteil fällen. „Er war wahrscheinlich weder ein richtiger Nazi, noch war er ein entschiedener Gegner“, sagte er im Südwestrundfunk.

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