Finale furioso der Parteien
„Wir kämpfen bis Sonntag, 18 Uhr“

In den letzten Stunden des Wahlkampfs wollen Union und SPD durch verstärkte Emotionalisierung unentschlossene Wähler für sich gewinnen.

brc/ms DÜSSELDORF/BERLIN. Führende Politiker von CDU und CSU verschärften am Donnerstag ihre Angriffe auf die angebliche "Streichliste" von Bundesfinanzminister Hans Eichel. Koalitionspolitiker warfen der Union vor, die Wähler mit einer gar nicht existierenden Sparliste täuschen zu wollen.

Meinungsforscher gehen davon aus, dass mindestens jeder vierte Wahlberechtigte noch nicht weiß, wem er am Sonntag seine Stimme geben soll. Angesichts des erwarteten knappen Ausgangs der Bundestagswahl kündigten die Parteien an, bis zur Schließung der Wahllokale am Sonntag um 18 Uhr um jede Stimme zu kämpfen. Bislang hatten sie am Wahlwochenende auf Kundgebungen verzichtet. Nach der letzten repräsentativen Umfrage von Infratest-dimap kann die Union mit 41 % der Stimmen rechnen, die FDP mit 6,5 %. Die SPD würde 34 % erhalten, die Linkspartei 8,5 %, und die Grünen kämen auf 7 %. Seit dem "TV-Duell" zwischen Kanzler Gerhard Schröder und seiner Herausforderin Angela Merkel am 4. September hat Schwarz-Gelb keine eigene Mehrheit mehr. Mit zusammen 41 % ist Rot-Grün allerdings weit davon entfernt, die künftige Regierung bilden zu können.

Dennoch lehnte es SPD-Chef Franz Müntefering erneut ab, über Koalitionoptionen zu reden. Ziel der Sozialdemokraten sei es, stärkste Partei zu werden und mit Schröder an der Spitze das rot-grüne Bündnis fortzusetzen. Bei einer hohen Wahlbeteiligung könne die SPD sogar mehr als die von Schröder angestrebten 38 % der Stimmen erhalten, sagte Müntefering. "Die SPD sei im Wahlkampf "stark, aktiv und gut drauf".

Während Müntefering sich zu Koalitionsoptionen nicht äußerte, schlossen führende Unionspolitiker eine gemeinsame Regierung mit der SPD aus. "Eine große Koalition bedeutet große Probleme", sagte CSU-Generalsekretär Markus Söder. Ein Bündnis mit der Union würde die ohnehin gespaltenen Sozialdemokraten zerreißen. Die CDU/CSU geht offenbar davon aus, dass die Aufholjagd des Kanzlers in der Wählergunst beendet ist. Gestützt auf ein leichtes Plus in den letzten Umfragen, hofft die Union, durch verschärfte Angriffe auf den politischen Gegner im Endspurt die Mehrheit für sich und die FDP zurückzugewinnen.

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