_

Finanzaufsicht: Bundesbank wird Oberaufseher über Banken und Versicherungen

exklusiv Das Bundesfinanzministerium hat die Weichen für eine grundlegende Reform der Finanzaufsicht in Deutschland gestellt. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen favorisiert Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine Allfinanzaufsicht unter dem Dach der Bundesbank. Sie soll die alleinige Kontrolle von Banken, Versicherungen und Wertpapiergeschäften übernehmen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (rechts) will die Bundesbank unter Axel Weber zum obersten Bankenaufseher machen. Quelle: ap
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (rechts) will die Bundesbank unter Axel Weber zum obersten Bankenaufseher machen. Quelle: ap

BERLIN. Nach den Plänen des Finanzministeriums soll die Notenbank ab dem nächsten Jahr allein für die Kontrolle von Banken, Versicherungen und dem Wertpapierhandel zuständig sein. Ein Sprecher von Finanzminister Schäuble sagte auf Anfrage, die Gespräche der Regierung mit der Bundesbank seien noch nicht abgeschlossen.

Anzeige

Gesetzentwurf kommt noch vor der Sommerpause

Den Gesetzentwurf zur Reform der Finanzaufsicht will Schäuble noch vor der Sommerpause vorlegen. Mängel in der bestehenden Aufsichtsstruktur wurden vor allem in der Finanzkrise sichtbar. So konnten die Finanzaufsicht BaFin und die Bundesbank, die derzeit beide für die Bankenaufsicht zuständig sind, die finanzielle Schieflage der mittlerweile vollständig verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) nicht verhindern. Schäuble bevorzuge deshalb eine Stärkung der Bundesbank, die künftig allein für die Finanzaufsicht zuständig sein soll, heißt es im Finanzministerium. Der parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk betonte, das Ministerium werde bei seinen Reformplänen sicherstellen, dass die bestehenden Stärken der Finanzaufsicht bewahrt würden.

Wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr, haben sich Finanzminister Schäuble und Bundesbankpräsident Axel Weber bisher noch nicht auf ein abschließendes Konzept verständigt. Die Bundesbank fürchtet vor allem, dass ihre Unabhängigkeit mit der geplanten Reform tangiert werden könnte. So sehen die Pläne des Finanzministeriums vor, dass bei schwerwiegenden Verwaltungsakten Einvernehmen mit dem Bundesfinanzministerium hergestellt werden müsse. Die Forderung des Bundes betrifft vor allem solche Entscheidungen der Bundesbank, die unmittelbare Auswirkungen auf den Bundeshaushalt hätten, beispielsweise die Stützung einer finanziell angeschlagenen Bank. Über die endgültige Struktur der neuen Finanzaufsicht gibt es noch keine Entscheidung.

  • 26.02.2010, 12:50 UhrAnonymer Benutzer: Baseline

    Axel Weber als Oberaufseher?

    Dann sind doch noch eine Reihe von Fragen offen. Hier sieben davon:

    1. Wo war Axel Weber, als sein Schüler Jörg Asmussen sich in Deutschland im interesse der Finanzgroßwirtschaft für die gefährlich falsche Deregulierung der Finanzmärkte massiv einsetzte und damit fragwürdigen Erfolg hatte?

    2. Wer schlief wo an welchen Hebeln der Macht, als den Machern der Deutschen bank ermöglicht wurde, eines der größten “Hebel”räder der deregulierten Finanzwelt zu drehen und auf alle möglichen Derivate zu wetten?

    3. Welche Rolle spielte Axel Weber beim Debakel um die Hypo Real Estate (HRE)? Wie steht es um die Kompetenz für eine Regulierung großer banken, wenn es noch nicht einmal gelingt, relativ kleine banken ordentlich zu überwachen?

    4. Warum macht sich Axel Weber nicht wirklich stark für die Vorschläge, die Eigenkapitalanforderungen für die Geschäftsbanken deutlich zu erhöhen? Warum lässt er zu, dass sein Schüler Jörg Asmussen unter dem massiven Einfluss von Josef Ackermann die internationalen bestrebungen zur nennenswerten Erhöhung des in banken erforderlichen Eigenkapitals bremst?

    5. Warum wurden die Ergebnisse des Stresstests europäischer banken bis heute nicht in vollem Umfang veröffentlicht? Unterbleibt das wegen der riesigen laufenden und zukünftig noch zu erwartenden Verluste in den bilanzen der Finanzinstitute, die in Axel Webers Zuständigkeitsbereich fallen?

    6. ist es fair oder auch nur vernünftig, Club Med, den südlichen Rand der Eurozone, nunmehr allein dafür verantwortlich zu machen, dass die Aufsichtsführenden einfach weggeschaut haben, als unter Führung „nördlicher“ Großbanken die Kredite in den Mittelmeerraum (und nach Osteuropa) so massiv ausgeweitet wurden?

    7. Wird Axel Weber, sollte er nach Trichet an die Spitze der Europäischen Zentralbank gelangen, die Eurozone auch im interesse der augenblicklich an den Rand geratenen Mitglieder führen? Welche Lehren zieht er aus den jüngsten Erfahrungen?

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.