Finanzaufsicht soll kontrollieren
Regierung erhöht den Druck auf Anlageberater

Die Bundesregierung verschärft den Anlegerschutz beim Verkauf von Lebensversicherungen, Fonds oder anderen Kapitalanlagen. So sollen die Anlageberater der Banken künftig bei der Finanzaufsichtsbehörde BaFin registriert werden. Das kündigte ein Vertreter des Verbraucherschutzministeriums, Erich Paetz, am Mittwoch auf einer Handelsblatt-Tagung in Köln an.
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KÖLN. Damit müssen sich die Bankberater auf schärfere Kontrollen einstellen. „Die Aufsicht erhält verstärkte Eingriffsbefugnisse. Zum Beispiel soll sie auch Berater von der Anlageberatung ausschließen dürfen, wenn entsprechende Hinweise auf Fehlverhalten vorliegen“, sagte Paetz, der im Ministerium für Verbraucherschutz für Finanzdienstleistungen zuständig ist. Die Regierung will mit dem geplanten Anlegerschutzgesetz Verbraucher davor bewahren, viel Geld in ungeeignete oder riskante Finanzprodukte zu stecken.

Bankberater müssen bereits seit Jahresanfang ihre Beratung in Protokollen dokumentieren. Die Bundesregierung will nun dafür sorgen, dass unqualifizierte Vermittler ausgesiebt werden. Durch die Registrierung bei der BaFin wird es künftig einfacher sein, bei Beschwerden Hinweise auf schwarze Schafe zu finden und entsprechend zu reagieren, so die Überlegung. Paetz rechnet damit, dass der Entwurf des Anlegerschutzgesetzes noch im Herbst steht. Die Hauptstreitfrage dreht sich noch um die Regulierung des sogenannten Grauen Marktes. Hier geht es darum, wer die Vermittler von geschlossenen Fonds beaufsichtigt. Das Bundesfinanzministerium will sie der als strenger geltenden Kontrolle der BaFin unterwerfen, das Wirtschaftsministerium dringt darauf, dass wie bei Versicherungsvermittlern die Gewerbeaufsicht zuständig ist. Verbraucherschützer pochen auf einheitliche strikte Regeln für Vermittler, weil Kunden durch Falschberatung jährlich Milliarden verlieren.

Während die Regierung auch mit neuen Verordnungen droht, möchte die Branche gesetzliche Auflagen möglichst vermeiden. So feilen die Finanzinstitute derzeit daran, wie sie die Produkte transparenter und verständlicher machen können. Das reicht vom Kleingedruckten bis hin zu einer einheitlichen Kennzahl, mit der die Kunden die Renditen von Lebensversicherungen oder Fonds vergleichen können. Hier ist die Allianz Vorreiter und will künftig eine Gesamtkostenquote ausweisen. Zieht man diese von der Wertentwicklung ab, ergibt sich die tatsächliche Rendite aus Sicht des Kunden. Noch ist die Anlagewelt längst nicht so transparent. Volker Priebe, Leiter der Produktentwicklung bei der Allianz Leben, nennt ein Beispiel: Bei drei gleichen Produkten für den Kunden kommt am Ende der Laufzeit ein unterschiedlicher Betrag zustande – je nach Kostenberechnung zwischen 73000 und 105000 Euro. „Dies sollte die Branche nicht mehr länger dulden“, sagte Priebe.

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  • im ersten Augenblick ein offenbar begrüßenswerter Ansatz: wer könnte nicht wollen, dass Verbraucher vor Fehlinvestitionen geschützt werden?

    Nur: Warum das ganze auf Kapitalanlagen begrenzen? Was macht es für den Verbraucher/die Verbraucherin für einen Unterschied, ob er/sie sein/ihr sauer verdientes Geld mit einer "schlechten" Kapitalanlage verliert oder durch den Erwerb überflüssiger Produkte oder Dienstleistungen?

    Was wir also wirklich brauchen, ist eine unverselle Kennziffer für alles, die es jeder/m ermöglicht, zu vergleichen, ob es für sie/ihn "preiswerter" ist, zur Versicherung A den PKW b zu erwerben, oder ob sie/er mit Fonds C, PKW D und einem Dutzend Klingeltönen E im Spar-Abo nicht besser bedient wäre.

    Denn soviel ist spätestens seit der letzten Krise klar: das sind Fragen, mit denen man die kleinen Leute wirklich nicht alleine lassen darf. Das muss der Staat richten, von dem wir offensichtlich noch viel zu wenig haben.

    Und irgendwie ist auch das folgerichtig: Wenn wir mehr Staat schaffen, dann bleibt den Steuerzahlern weniger Geld, dass sie (anderswo) verlieren könnten.

    Woran sich natürlich die Frage anschließt, ob wir den Staat nicht auch mit einer bewertung nach der universellen Kennziffer versehen müßten ...

  • ist es wirklich Falschberatung, durch die Anleger Milliarden verlieren, oder nicht vielmehr die Gier, mehr Zinsen, mehr Ertrag zu bekommen. Wenn Anleger sich mit dem Marktzins zufrieden geben, werden sie auch kein Geld verlieren. Doch wer ist schon zufrieden??

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