Finanzberatung
Aigner testet Banken mit verdeckten Ermittlern

Verbraucherministerin Ilse Aigner will Banken, die Kunden schlecht beraten, künftig bestrafen. Im Interview spricht über sie striktere Vorgaben für die Banken und ihre Pläne, im Verdachtsfall auch verdeckte Ermittler in die Institute zu schicken.
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Handelsblatt: Frau Ministerin, haben die Banken aus der Finanzmarktkrise gelernt und ein anderes Verhältnis zu ihren Kunden entwickelt?

Ilse Aigner: Einige Banken haben kapiert, worum es geht. Andere meinen, das Roulette drehe sich schon wieder und sie könnten so weitermachen wie vor der Krise. Es ist klar, dass Banken Geld verdienen müssen. Aber wer nicht erkennt, dass Vertrauen die wichtigste Währung der Branche ist, der ignoriert die Dimension der Krise.

Wer sind denn die Guten und wer die Bösen?

Erwarten Sie jetzt von mir, dass ich Namen aufzähle?

Versuchen wir es mal anders: Die Sparkassen etwa wollen ihren Bankberatern den Verkaufsdruck nehmen. Begrüßen Sie das?

Es gibt Banken, die pflegen ihren Kundenstamm und setzen auf eine langfristige Kundenbindung. Und es gibt die Banken, die nach dem schnellen Geld schauen.

Das klingt nach einem Lob. Sie wurden in der Branche schon als "Chefanklägerin" tituliert. Gefällt Ihnen das?

Ich gelte in der Bankenwelt sicher nicht als die beliebteste Ministerin. Vieles von dem, was sich bislang geändert hat, schreiben die Banken mir und meinem Haus zu. Ich nehme das als Kompliment.

Weil sie eigentlich gar keine Gesetzgebungskompetenz haben?

Weil Verbraucherpolitik als Themenfeld endlich in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen ist und auch die Banken wissen, dass mein Ministerium den Finger in die Wunde legt, wenn etwas schiefläuft. Wir sind der Initialzünder für politische Debatten, wir sind Anwälte der Verbraucher und Mahner zugleich. Deshalb wundert es mich nicht, dass die Banken immer wieder das Gespräch suchen und die Widerstände von interessierter Seite entsprechend hoch sind, wenn es etwa um stärkeren Schutz vor Falschberatung geht.

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Kommentare zu " Finanzberatung: Aigner testet Banken mit verdeckten Ermittlern"

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  • Das Manager Magazin hat im November 2008 unabhängige beratungstests geprüft - mit einem bescheidenen Ergebnis. Die Marktmechanismen arbeiten gegen neutrale Testurteile – schon wegen der hohen Komplexität der Finanzberatung.

    in der Vermögensverwaltung geht es häufig um das gesamte Vermögen einer Person oder institution, über Jahrzehnte angesammelt – bei Fehlern auf einen Schlag erheblich reduziert. Das ist kein Luxusproblem, sondern eines in volkswirtschaftlicher Größenordnung. ich frage mich, welcher der Vor- Kommentatoren seinem berater blind vertraut, daß er die Notwendigkeit einer gesetzlichen initiative in Frage stellt ?

    Eine vollkommen unabhänige institution, die zertifiziert und in der Tiefe prüft wie ein Warentest ist im Asset Management generell notwendig, nicht nur bei banken. Dieser berufsstand unterliegt historisch wenigen Verhaltensregeln und der Anleger trägt die Verluste fast immer selbst.

    Anders als bei Ärzten und Krankenhäusern gibt es nur einen bruchteil der notwendigen Standards für diese beratung, obwohl sie möglich wären. Die Fondsmanager und banken haben es bisher versäumt und i.d.R. nicht für nötig befunden, diese zu entwickeln. Damit schaden sie sich selbst, denn ein Großteil der deutschen Vermögen parkt derzeit in Spareinlagen.

    Eine Regulierung und qualifizierte Ausbildung schützt den berufsstand auch vor Trittbrettfahrern - gerade im Versicherungsvertrieb. Man stelle sich nur ein Mittelalter ohne Handwerks-Zünfte und Gilden vor !

    Den Testern kann man in Kenntnis der Komplexität der vermittelten Produkte auch nicht wirklich vorwerfen, dass sie überwiegend kosmetische Details beurteilen. Wie man in der Tiefe richtig berät, das scheint niemand zu wissen. Oder zumindest nicht zu publizieren.

    Glaubt man den erfahrenen bänkern, muss man aber vor Allem den Anlegern / investoren / Reichen den Vorwurf machen, dass sie bessere beratung auch nicht fordern. Ebenso wie die berater kapitulieren sie vor der innovativen Produktvielfalt der investmentbanken und Fondshäuser. Sie schreien Juchee in guten Aktienjahren und Zeter / Mordio in Schlechten.

    Diese beratungs-Märkte stehen mehr Transparenz sehr kritisch gegenüber. Sie haben ihre Fehler Jahrzehnte lang nicht selbst geheilt oder unterstützende Angebote nicht angenommen. Jede initiative des Gesetzgebers für besseren, verbindlicheren Service zum Schutze der Vermögen(den) ist insofern zu begrüßen.

  • ich arbeite beruflich seit vielen Jahren mit bankern zusammen und kann hier nicht feststellen, dass deren einziges Motiv ist, möglichst viel Geld am Kunden zu verdienen. Die langfristige Kundenzufriedenheit steht bei der ganz großen Mehrheit im Vordergrund, schwarze Schafe gibt es überall.
    Gleichwohl:
    Die anhaltende Kriminalisierung eines berufsstandes führt bei vielen mittlerweile zur Frustration. Aussagen wie: "Egal was man tut, man steht in der Öffentlichkeit als der DOOFE bANKER da..." machen die Runde.

    Wer immer wieder Loblieder auf die Honorarberatung anstimmt, sollte endlich klar sagen:

    - Honorarberatung kostet Geld. Realisitisch sind 150 € pro Stunde zzgl. MwSt.

    - Es gibt keine kostenlosen 'ich will mich nur mal informieren'-Gespräche mehr.

    - Nachträgliche, bislang kostenfreie Servicegespräche kosten dann ebenfalls Geld (s.o.).

    - Ein Honorarberater berät unabhängig im Auftrag des Kunden. Er wird seinen Job aber niemals erfolgreich durchführen können, wenn er nicht auch ein von Vertrauen geprägtes Geschäftsverhältnis zu Versicherern, banken u.s.w. unterhalten kann. Führt er sich auf wie ein Anwalt eines Mandanten, wird man kaum bereit sein, hier eine Zusammenarbeit zu pflegen.

    Mir ergibt sich langsam der Verdacht, dass Frau Aigner mal in grauer Vorzeit auf einen schlechten berater hereingefallen ist und dies bis heute nicht verarbeitet hat.

    Zu guter letzt:
    immer wieder bergen auch die Empfehlungen von Stiftung Warentest sowie die beratungen durch die Verbraucherzentrale erhebliche Fehler und Lücken. Komisch, dass sich nie jemand darüber Gedanken macht, auch einmal hier eine Überprüfung vorzunehmen.

    Verdeckte Ermittler sollte man endlich mal in den Politikbetrieb entsenden...

  • Dann werden wohl konsequenterweise bald auch Autohäuser, Ärzte, Krankenhäuser, Einzelhandelsgeschäfte und nicht zu vergessen, Parlamente verdeckt überprüft?! Wenn nicht, ist das Ganze ein ausgemachter Schmarrn! Wo leben wir eigentlich mittlerweile? Will die bundesrepublik im Anwenden von Stasimethoden neue Maßstäbe setzen? Aigner entwickelt sich immer mehr zu einem fragwürdigen Politik-Rambo im Sinne von "weg da, hier komm ich und bin mit staatlicher Legitimation für alles zuständig, darf auch alles". Solche Allmachtsphantasien des Staates gefährden zunehmend die Demokratie.

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