Finanzberatung
FDP drängt zu mehr Anlegerschutz

Vor dem morgigen Treffen von Banken- und Verbraucherschutzverbänden bei Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) verlangt die FDP gesetzliche Regeln. Die Verbraucher müssten von den Banken eindeutig über die Risiken eines Anlageprodukts informiert werden, fordern die Liberalen.
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BERLIN. Schwarz-Gelb werde das Verbraucherinformationsgesetz daher novellieren, sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Verbraucherschutz im Deutschen Bundestag, Hans-Michael Goldmann (FDP), dem Handelsblatt. Dabei gehe es nicht nur darum, das Gesetz wie vereinbart zu evaluieren, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht. „Wir sehen einen Ausdehnungsbedarf – gerade auf den Finanzbereich“, sagte Goldmann.

Bislang können Verbraucher Behörden Informationen vor allem im Bereich der Lebensmittel, Produkt- und Herstellerinformationen abfragen. Allerdings kritisieren Verbraucherverbände, dass dies in der Praxis nicht funktioniert. Die Grünen verlangen zudem eine Auskunftspflicht der Unternehmen.

Morgen treffen sich die Bankenverbände sowie die Verbraucherschutzorganisationen mit Aigner zu einem Runden Tisch. Bereits im Sommer hatte es ein solches Treffen gegeben. Die Ministerin setzte bislang vor allem auf freiwillige Regeln der Banken. Anfang der Woche hatte die Zeitschrift Finanztest der Stiftung Warentest veröffentlicht, dass die Beratung von Banken bei Anlageprodukten bestenfalls ausreichend ist. Nach dem Runden Tisch wollen Aigner und der Finanztest-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen gemeinsam vor die Presse treten.

„Als Verbraucherpolitiker sehen wir die Banken als Vertrauenseinrichtungen“, sagte der Ausschussvorsitzende Goldmann. Er kritisierte, dass die von der Großen Koalition noch beschlossene Protokollpflicht von Beratungsgesprächen von den Banken immer noch kritisiert werde. „Banken müssen für zufriedene Kunden sorgen“, sagte Goldmann. „So wie es für jedes Produkt ein Rückgaberecht gibt, wenn es nicht funktioniert, so muss es auch bei Anlageprodukten entsprechende Kriterien geben.“

Zugleich sieht Goldmann eine Bereitschaft der Kunden, für eine gute Beratung auch ein Honorar zu zahlen. „Ich glaube, die Honorarberatung wird kommen“, sagte er.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Das die Anlageberatung mitunter unzureichend ist, darüber herrscht weitgehende Einigkeit.
    Doch halte ich nichts davon die Vorschriften weiter zu verschärfen. Das passt auch nicht mit liberalen Grundsätzen zusammen, wohl aber mit Klientelschutz.
    Auch haben blieben die Verbraucherschutzmassnahmen der letzten Jahre weitgehend wirkungslos, was für Fachleute auch kaum ein Überraschung darstellt. Was soll da eine weitere Verschärfung bringen?

    Letztlich kann eine Ausweitung der beratungspflichten das Problem nicht lösen. Das schon deshalb, weil es unmöglich ist, von Anlageberatern zu verlangen, dass sie jedes einzelne Produkt entsprechend prüfen. Man muss sich schon darauf verlassen können, das die zugesicherten Eigenschaften auch erfüllt werden.
    Hier entledigt sich die öffentliche Aufsicht billig eines Problems und eigenen Versagens und subventioniert indirekt die großen Finanzdienstleister, die ganze Rechercheteams beschäftigen können. Damit kann der Gesetzgeber sämtliche Lobbys zufriedenstellen inkl. der Verbraucherschützer ohne wirklich etwas Substantielles verbessert zu haben.
    Auch der jüngste bericht der Verbraucherschützer zur bankenberatung weist Geschmäckle auf. Denn mittlerweile sind diese direkte Konkurrenten auf dem Markt der Finanzberatung, mit dem Unterschied, das die Verbraucherzentralen keine berufsvorausetzungen erfüllen müssen. Auch bleibt ihnen das durchaus häufiger anzutreffende Missverhältnis zwischen vernünftiger beratung und renditegierigen Kunden verborgen, weil sie ja selbst nichts verkaufen. Was die Kunden aber später kaum daran hindert sic hbeim Produktkauf nach der beratung genauso zu verhalten.

    H.

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