Finanzchef Eichler will Neinsager-Image ändern
Neue Querelen in der IG Metall

Die IG Metall kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Rücktritt von Gewerkschaftschef Klaus Zwickel gerät nun auch ihr oberster Öffentlichkeitsarbeiter Claus Eilrich unter Beschuss. Anlass ist ein Flugblatt über den Personalwechsel an der Gewerkschaftsspitze, für dessen Inhalt Eilrich als Chefredakteur verantwortlich ist.

BERLIN. Der designierte IG-Metall- Vorsitzende Jürgen Peters und Finanzchef Bertin Eichler stoppten Ende vergangener Woche die Auslieferung des Flugblatts, da in diesem „geschmacklos“ über Zwickel berichtet werde, wie es in einer internen Mitteilung heißt.

Eine Sprecherin der IG Metall sagte, die Sache mit dem Flugblatt sei „sehr misslich“ gelaufen. Sie wollte keine Angaben machen, ob Eilrich, der zurzeit in Urlaub ist, deshalb von seinem Posten enthoben wird. Das sei ein „IG-Metall-interner Vorgang“, sagte sie. Eilrich hatte während des Machtkampfs in der IG Metall das Kunststück fertig gebracht, alle Seiten loyal zu vertreten. Intern gilt er aber als Kritiker von Peters.

In einem Artikel des Flugblatts über Zwickel heißt es, er habe als Vorsitzender „viele wichtige, nicht immer erfolgreiche und auch nicht unumstrittene Initiativen angestoßen“. Persönlich angeschlagen sei er durch die Mannesmann-Affäre, wegen der ihm möglicherweise ein Verfahren wegen Untreue drohe. In einer anderen Passage steht, die Personaldebatte sei „vorerst“ beendet, was Peters und Eichler auch nicht gefiel. Die Beiden sind Herausgeber des Flugblatts, das über zwei Millionen Mal gedruckt wurde. 400 000 Exemplare wurden nicht ausgeliefert.

Trotz dieser neuen Querelen glaubt Eichler, dass die IG Metall das Schlimmste nun hinter sich hat. Zwar werde es auf dem Gewerkschaftstag Ende August, wenn Jürgen Peters zum Ersten und Berthold Huber zum Zweiten Vorsitzenden gewählt werden sollen, noch einmal Diskussionen über die Führungskrise geben. Mit einer Fortsetzung der massiven Austritte rechne er aber nicht. Er erwarte vielmehr eine Trendwende, wenn am Beginn des neuen Ausbildungsjahres im September wie bisher üblich viele Lehrlinge der Gewerkschaft beitreten.

Nach Eichlers Aussage hat die IG Metall in den vergangenen Monaten besonders bei ihrer Stammklientel, den Facharbeitern in der Metallindustrie, viele Mitglieder verloren. Überdurchschnittlich hoch seien auch die Austritte in Ostdeutschland.

Allein für Juli rechnet die IG Metall intern mit einem Verlust von rund 25 000 Mitgliedern. Die genaue Zahl soll im Laufe dieser Woche bekannt werden. Eine Ursache für den außerordentlich hohen Wert im Juli ist, dass die Kündigungen üblicherweise jeweils zum Quartalsende wirksam werden. Von Januar bis Juni hatte die Gewerkschaft bereits fast 60 000 Mitglieder verloren. Setzt sich dieser Rückgang unvermindert fort, dann muss sie im Gesamtjahr mit einem Minus von 4,4 % rechnen. Vergangenes Jahr waren es 1,9 %.

Auf die drohenden Verluste bei den Beitragseinnahmen hat Eichler mit einem Sparprogramm in Höhe von 10 % der laufenden Budgets reagiert. „Wir sind trotzdem finanziell gut aufgestellt“, betonte er. Im Jahr 2002 habe die IG Metall allein 67 Mill. Euro Rückstellungen für Leistungen nach der Satzung gebildet. Dieses Geld mehrt das Gewerkschaftsvermögen. Nach Bildung dieser Rücklage habe die IG Metall 2002 mit einem Defizit von 8,4 Mill. Euro abgeschlossen.

Der Finanzchef forderte politische Konsequenzen aus der Austrittswelle. „Die IG Metall muss weg von dem Eindruck, der ewige Neinsager zu sein, und mehr eigene Gestaltungsvorschläge machen“, sagte er. Auch müsse sie ihre eigentliche Aufgabe, den Schutz von Arbeitsplätzen und Einkommen, wieder ins Zentrum ihrer Arbeit stellen. Dabei sei es nötig, noch stärker auf die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Beschäftigtengruppen wie etwa Angestellte und Jugendliche einzugehen.

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