Finanzgipfel in Washington
Das Rennen der Retter

In der Bankenkrise hat sich Peer Steinbrück schneller als Angela Merkel als Krisenmanager der Nation profiliert. Das soll der Kanzlerin nicht noch einmal passieren - wie Merkel in Washington Opel zur Chefsache macht.

WASHINGTON. Ob sie ihn mal kurz sprechen könne, fragt Angela Merkel den müden Mann mit der Glatze am großen Konferenztisch im National Building Museum in Washington. Es gebe da noch "ein anderes Thema".

Hank Paulson, der amerikanische Finanzminister, schaut überrascht auf. Und nickt. "Okay", antwortet er mit seiner markanten, rauen Stimme, "of course."

Was die deutsche Kanzlerin in der Kaffeepause der G20-Krisenkonferenz wohl vom früheren Goldman-Sachs-Boss will?

Natürlich kann eine Regierungschefin jederzeit auf den Finanzminister eines anderen Landes zugehen, aber ein bisschen ungewöhnlich ist es schon. Vor allem, wenn der laut Protokoll eigentlich passende Gesprächspartner, Paulsons deutscher Amtskollege in Gestalt von Peer Steinbrück, ebenfalls anwesend ist.

Angela Merkel sorgt sich bei diesem Weltfinanzgipfel am vergangenen Wochenende im verregneten Washington nicht nur um die globale Stabilität der Börsen und Banken. Es ist vor allem die Adam Opel AG und deren dramatischer Hilferuf aus der Heimat, die ihr zusätzliche Kopfschmerzen verursachen. Nicht zuletzt versucht die SPD, das Thema an sich zu reißen und die Kanzlerin an die Seite zu drängen.

Die automobile Traditionsmarke befindet sich in so ernsten Schwierigkeiten, dass das Management schon Mitte letzter Woche bei der Bundesregierung diskret um Unterstützung gebeten hat. Und als sei die Sorge um Zehntausende von Arbeitsplätzen im kriselnden deutschen Automobilbau nicht schon schlimm genug, ist der streng geheime Rettungsruf aus Rüsselsheim am Wochenende und damit zur Unzeit in die Öffentlichkeit gelangt.

Merkel kann das nicht gefallen. Schon beim Rettungsplan für die Banken vor wenigen Wochen sah es anfangs so aus, als ob das Thema komplett an ihr vorbeiliefe. Egal, wohin man schaute: Tagelang stand Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Vordergrund des Banken-Bail-outs.

Spät erst - Kritiker meinen zu spät - sei die Kanzlerin schließlich eingestiegen. Seitdem ist sie gezwungen, beim Agenda-Setting in der Finanzkrise stets mit Steinbrück im Duo aufzutreten.

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