Finanzierung von Offshore-Windparks
Finanzkrise bremst Öko-Energien

Nach den klassischen Industriebranchen erfasst die Finanzkrise nun die erneuerbaren Energien, die bislang als Hoffnungsbranche galten. Insbesondere der Bau von Windrädern auf hoher See komme nicht voran, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nach einem Treffen mit Bankenvertretern und Repräsentanten der Erneuerbare-Energien-Branche.

BERLIN. Er verwies auf die großen Beschäftigungspotenziale der erneuerbaren Energien und sagte der Branche Hilfe zu. Dabei soll die staatliche Förderbank KfW eine Schlüsselrolle übernehmen.

"Wenn wir nicht schnellstens handeln, könnten alle Projekte in Schwierigkeiten geraten", sagte der Minister mit Blick auf die Offshore-Windkraft. Dabei misst Gabriel gerade der Stromerzeugung auf hoher See große Bedeutung bei. Er geht davon aus, dass bis 2020 Windräder mit insgesamt 10 000 Megawatt installierter Leistung in Nord- und Ostsee stehen. Zum Vergleich: Die meisten deutschen Atomkraftwerke haben eine Nennleistung zwischen 1200 und 1400 Megawatt. Da die Offshore-Projekte sich jedoch als technisch sehr anspruchsvoll erweisen, musste Gabriel bereits zweimal nachhelfen: Er hob die Vergütungen für Offshore-Windstrom an und bürdete die Kosten für die Anbindung der Parks an das Stromnetz auf dem Festland den Übertragungsnetzbetreibern auf. Die Netzanbindung kann leicht dreistellige Millionenbeträge verschlingen. Sie macht rund ein Drittel der gesamten Investitionskosten eines Offshore-Windparks aus.

Nun erschwert die Finanzkrise den Fortschritt bei der Stromerzeugung auf hoher See. Viele der oft milliardenschweren Projekte sind gefährdet, weil sich Banken mit Finanzierungszusagen schwertun. Einzelne Institute zögen sich aus der Projektfinanzierung ganz zurück, andere forderten höhere Eigenkapitalanteile seitens der Projektträger, heißt es beim Bundesverband Windenergie (BWE).

Vertreter der Banken hätten sich aber gestern bereiterklärt, die Finanzierungsbedingungen für Offshore-Anlagen zu verbessern, so Gabriel. Die Deutsche Bank habe zugesagt, die Kreditbedingungen nicht schlechter als vor Beginn der derzeitigen Krise zu gestalten. Nach Gabriels Einschätzung erschweren auch hohe genehmigungsrechtliche Hürden die Finanzierung. So müsse man darüber nachdenken, den Betreibern für ihre Anlagen eine längere Nutzungsdauer zuzubilligen. Denn wenn sich die Nutzungsgenehmigung für einen Windpark auf hoher See über 40 Jahre statt nur über 20 oder 25 Jahre erstreckt, erhöht das den wirtschaftlichen Wert des Projekts erheblich. Damit würde auch die Finanzierung erleichtert.

Herbe Kritik übte Gabriel an der Bundesnetzagentur. Sie verzögere die Genehmigungen für die Anbindung der Offshore-Windräder ans Festland über Gebühr. Ohne grünes Licht für die Netzanbindung sei aber die Finanzierung eines Windparks nicht darstellbar. "Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Bundesnetzagentur in dieser Hinsicht größere Schwierigkeiten macht", sagte der Minister.

Gabriel räumte ein, die Probleme rund um das Thema Offshore ließen sich "nicht an einem einzigen Tag lösen". Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Branche, der Kreditwirtschaft und des Umweltministeriumssoll in den nächsten Wochen und Monaten Lösungen finden.

Hilfe sagte Gabriel kleineren und mittleren Projekten aus dem Bereich der erneuerbaren Energien zu. Dazu modifiziert die KfW ihre Förderbedingungen. Sie erhöht die Obergrenze für Kredite aus den entsprechenden Programmen von zehn Mio. auf 50 Mio. Euro, gleichzeitig werden die Laufzeiten von acht auf 15 Jahre erhöht. Das Risiko der KfW soll durch eine Bundesgarantie mit einem Gesamtvolumen von 15 Mrd. Euro aufgefangen werden, die das Bundeskabinett Anfang November mit ihrem Konjunkturpaket beschlossen hatte. Die Veränderung erleichtere den Ausbau der Windenergie an Land, hieß es beim BWE. Insbesondere der Ersatz alter Windräder durch neue, leistungsfähigere Anlagen sei nun finanzierbar.

Außerdem will das Umweltministerium die finanziellen Unsicherheiten bei der Erschließung von Erdwärme reduzieren. Geplant ist, das finanzielle Risiko von Fehlbohrungen mit bis zu 60 Mio. Euro abzusichern.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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