Finanzkrise
Ackermann lehnt Entschuldigung ab

Der Rauch ist noch nicht verzogen, da entbrennt die Suche nach den Schuldigen an der Finanzkrise. Während Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann keinen Grund für eine Entschuldigung sieht, räumt sein Vorstandskollege von der Commerzbank Martin Blessing Versäumnisse der Bankenbranche ein – und überrascht mit einer weiteren Ankündigung.

HB BERLIN/FRANKFURT. Blessing will nicht ausschließen, dass sein Institut auf das Rettungspaket zurückgreift, das der Bundestag am Freitag beschlossen hat. Es sieht Kreditbürgschaften und Kapitalhilfen für die Finanzbranche in Höhe von bis zu 480 Milliarden Euro vor. "Wir werden uns in Ruhe anschauen, wie das Paket genau aussieht und ob es für uns infrage kommt", sagte Blessing. "Ich glaube, es ist die Pflicht eines jeden Bankers, eine Teilnahme an dem Paket zu prüfen." Der Bankchef wertet es als "ein sehr wichtiges Zeichen, mit welcher Geschwindigkeit die Politik das Paket geschnürt hat, das verdient allerhöchsten Respekt und Dank." Das Paket sei unterm Strich ein Konjunktur-Stützungsprogramm.

Unterdessen erwägen die deutschen Banken offenbar eine gemeinsame Nutzung des Rettungspakets. „Das wird ab diesem Montag verhandelt“, zitierte der „Focus“ einen hochrangigen Sparkassenfunktionär. Das Problem des Hilfsangebots sei, das keiner den ersten Schritt machen wolle. Bei einem gemeinsamen Vorgehen der Banken wäre nicht so leicht erkennbar, wer die Hilfe tatsächlich in Anspruch nimmt.

In der Branche ist mittlerweile die Diskussion um die Ursachen für die Finanzkrise entbrannt. Der Commerzbank-Chef sieht sich sogar persönlich mitverantwortlich. In einem Interview der "Bild"-Zeitung sagte er: "Die gesamte Bankenbranche trägt große Verantwortung an der Krise - auch ich als Chef der zweitgrößten Bank in Deutschland. Es ist schlimm, dass sich die Menschen in unserem Land Sorgen um ihr Geld machen, da haben wir uns als Branche wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert."

Auf die Frage, ob er Fehler gemacht habe, antwortete Blessing: "Ja, auch wir in der Commerzbank haben Fehler gemacht. Auch wir haben faule Immobilienkredite in den USA gekauft, weil wir uns zu sehr auf die Bewertung von anderen verlassen haben. Das war zwar üblich, wir hätten es dennoch nicht tun sollen." Er hätte sich aber auch nicht vorstellen können, dass eine führende Bank wie Lehman Pleite gehen könnte, fügte der Bankchef hinzu.

Eine solche Entschuldigung hatte Bundespräsident Horst Köhler von den Banken gefordert. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht indes keinen Grund dafür. Er habe schon im vergangenen Jahr in einer Fernsehsendung gesagt, dass auch die Deutsche Bank Fehler gemacht habe, "wenngleich erheblich weniger und weniger gravierende als andere", sagte Ackermann der "Bild am Sonntag" und verweist auf Erfolge seines Instituts.

"Wir haben selbst in der Krise bisher noch über drei Milliarden Euro netto verdient, eine hohe Kapitalquote und können uns Zukäufe wie zum Beispiel bei der Postbank leisten", sagte Ackermann. "So schlecht haben wir uns also nicht geschlagen." Auf die Frage, ob er eine Veranlassung sehe, künftig im Büßerhemd durchs Land zu ziehen, sagte Ackermann der Zeitung: "Nein. Die Deutsche Bank wird doch in der ganzen Welt dafür gelobt, wie gut sie im Vergleich dasteht."

Auch die aktuell oft kritisierte Rendite-Orientierung verteidigt der Deutsche-Bank-Chef: Die Banken sollten auch künftig nach einer möglichst hohen Rendite streben. "Der Wettbewerb um höhere Renditen hat die Menschheit weiter gebracht. Diesen Wettbewerb sollten wir auf keinen Fall aufgeben." Renditevorgabe von 25 Prozent seien kein Ausdruck von Gier, sondern zeigten den Anspruch, möglichst erfolgreich zu sein, sagte er dem Blatt. Ohne ihre hohe Profitabilität wäre es der Deutschen Bank nicht möglich gewesen, bei der Rettung der Hypo Real Estate einen "solch entscheidenden Beitrag zu leisten und die Finanzkrise aus eigener Kraft durchzustehen", sagte Ackermann weiter.

Die Deutsche Bank benötigt nach seiner Aussage keinerlei Hilfen aus dem Rettungspaket. Ackermann begründete seine Linie mit der - trotz Finanzkrise - guten Verfassung seines Geldhauses. Die Deutsche Bank sei „zu keinem Zeitpunkt“ in der Krise akut gefährdet gewesen. „Wir sind eine der stärksten und am besten kapitalisierten Banken der Welt.“ Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sagte Ackermann: „Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden.“

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