Finanzkrise
Bund drängt Privatbanken zum Rettungspaket

Die Bundesregierung drängt die privaten Banken zur Annahme des staatlichen Rettungspakets. Um zu verhindern, dass einzelne Geldinstitute für die Annahme der staatlichen Hilfe an der Börse abgestraft werden, sollen die Banken gemeinsam aktiv werden.

HB MÜNCHEN. Die Bundesregierung erhöht den Druck auf die privaten Banken, das staatliche Rettungspaket zu nutzen. In Regierungskreisen erfuhr das Handelsblatt am Mittwoch, schon in wenigen Tagen erwarte man gemeinsame Anträge der großen Institute auf die Hilfen. Dabei gehe es in erster Linie um Garantien, nicht um Eigenkapitalunterstützung.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte am Mirttwoch auf einer Diskussionsveranstaltung in Berlin, er gehe davon aus, dass in den nächsten vier bis fünf Tagen mehrere Institute das Angebot des Staates nutzen werden. Der Bankenverband sowie die deutschen Privatbanken lehnten eine Stellungnahme ab. In Finanzkreisen wurde allerdings große Skepsis geäußert, dass eine konzertierte Aktion bevorstehe.

Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ gemeldet, das mehrere große Privatbanken gemeinsam bei der Regierung vorstellig würden, um Anträge auf Kreditbürgschaften zu stellen. Mit einer gemeinsamen Aktion wäre die Sorge der Konzerne vom Tisch, dass einer von ihnen den ersten Schritt allein gehen müsste und dafür mit massiven Kursverlusten an der Börse bestraft werde.

Nachdem der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) sich als erstes privates Institut unter den Rettungsschirm des Bundes geflüchtet hat, wird mit Spannung erwartet, wer folgt. Bisher wollten lediglich Landesbanken zugreifen. Die Postbank hatte sich dafür entschieden, ihre Kapitalerhöhung aus eigener Kraft zu stemmen. Klaus Fleischer, Bank-Professor in München, geht davon aus, dass vor allem Banken zugreifen, die stark in der Immobilienfinanzierung aktiv sind. „ Insbesondere die Häuser, die in ihrem Beteiligungsportfolio Hypothekenbanken haben, sind potenzielle kommende Bittsteller.“

Die HRE beantragte eine kurzfristige Liquiditätshilfe von 15 Mrd. Euro. Zudem will der Dax-Konzern „weitergehende, umfassende Unterstützung“ etwa in Form einer Eigenkapitalspritze anfordern. „Daran kann man wunderbar sehen, wie unser Rettungsschirm funktioniert“, sagte Torsten Albig, Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

An der Börse legte die Hypo-Real-Estate-Aktie in einem freundlichen Umfeld leicht zu. Es hatte Befürchtungen gegeben, dass Banken abgestraft werden, die den Rettungsschirm nutzen. Allerdings habe die HRE ohnehin schon als schwer angeschlagen gegolten, sagte Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte.

Bei der Liquiditätshilfe für die HRE handelt es sich um eine Zwischenlösung, bis ein mit Bundesregierung und Finanzindustrie ausgehandeltes Paket über 50 Mrd. Euro greift. „Das Paket hat nach wie vor Bestand“, sagte Albig. Als erste Bank hatte die BayernLB erklärt, den Hilfsfonds nutzen zu wollen. Allerdings ist umstritten, ob die Bank zuerst Garantien der Alteigentümer nutzen muss.

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