_

Finanzkrise: Bund steckt weitere Milliarde in Abwrackprämie

exklusiv Die Regierungskoalition hat ihren Streit über einen Ausbau der Abwrackprämie für Altautos beigelegt und sich auf eine Aufstockung des Budgets geeinigt. In diesem Jahr sollen alle Neuwagenkäufer profitieren. Es gibt Gewinner der Prämie und Verlierer. Auf den Bund jedenfalls kommen erhebliche Zusatzkosten zu.

Die Koalition ist sich einig: Das Budget für die Abwrackprämie wird vergrößert. Quelle: dpa
Die Koalition ist sich einig: Das Budget für die Abwrackprämie wird vergrößert. Quelle: dpa

HB BERLIN/FRANKFURT. Die Abwrackprämie geht in die Verlängerung. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier verständigten sich darauf, die Prämie auch dann weiter zu gewähren, wenn der bislang vorgesehene Fördertopf von 1,5 Mrd. Euro ausgeschöpft ist. „Jeder, der die Prämie 2009 in Anspruch nehmen will und dafür die Voraussetzungen erfüllt, soll das auch können“, sagte Steinmeier am Mittwochabend. Die Bundesregierung rechnet mit zusätzlichen Kosten von rund einer Mrd. Euro.

Anzeige

Das Echo auf die Entscheidung fiel geteilt aus: Automobilimporteure jubelten, deutsche Premiumhersteller dagegen lehnten die Verlängerung ab. Auch Ökonomen und Umweltschützer übten Kritik.

Merkel und Steinmeier geben mit ihrer Entscheidung dem wachsenden Druck der SPD und aus Teilen der Wirtschaft nach. Auch innerhalb der Union hatten sich zuletzt mehrere Politiker für eine Verlängerung der Prämie ausgesprochen. Allerdings waren gestern in der Union auch kritische Stimmen zu hören, insbesondere aus dem Wirtschaftsflügel. Die erwünschte konjunkturbelebende Wirkung der Prämie werde zunichtegemacht, wenn die Menschen nun keine Notwendigkeit mehr sähen, sich schnell für ein neues Fahrzeug zu entscheiden, sagte etwa Unions-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs (CDU) dem Handelsblatt. Zu den Befürwortern zählen dagegen Umweltminister Sigmar Gabriel (SDP) und der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU).

Die mit dem zweiten Konjunkturpaket der Regierung erst vor weniger als zwei Monaten beschlossene Prämie wurde bis zum Mittwoch nach Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle 346 741-mal beantragt. Damit ist der bisherige Etat bereits zu fast 60 Prozent vergeben. In der Bundesregierung geht man davon aus, dass er im Mai ausgeschöpft ist.

Die Prämie in Höhe von 2 500 Euro gibt es beim Kauf eines Neuwagens und gleichzeitiger Verschrottung eines mindestens neun Jahre alten Autos. Ab 31. März gilt eine Änderung, von der Experten zusätzlichen Schub erwarten: Dann kann man sich den Anspruch auf die Prämie bereits beim Abschluss des Kaufvertrags sichern und nicht erst bei der Auslieferung des Neuwagens.

  • Die aktuellen Top-Themen
Wüstenrot-Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Rund 44 Prozent der Deutschen halten die Preise für Häuser und Wohnungen für deutlich überhöht. Sie fürchten sich vor einer Immobilienblase. Vor allem die Bürger eines Bundeslandes sind besonders skeptisch.

Politik versus Wirtschaft: Wie viel Kritik ist erlaubt?

Wie viel Kritik ist erlaubt?

Für Politiker sind Megaveranstaltungen wie der ESC in Aserbaidschan und die WM in Katar Anlass, mehr Demokratie zu fordern. Deutsche Unternehmen hoffen jedoch auf Großaufträge - und geraten schnell zwischen die Fronten.

Weltwirtschaftswachstum: EU rüffelt China, Japan und die USA

EU rüffelt China, Japan und die USA

EU-Kommissionspräsident Barroso und Ratspräsident Van Rompuy fordern, dass alle G20-Länder das Weltwirtschaftswachstum fördern. Europa sei seiner Verantwortung nachgekommen, hieß es, jetzt seien die anderen dran.