Finanzkrise
Deutschland sieht Machtzuwachs des IWF skeptisch

Als Retter in der Finanzkrise ist der Internationale Währungsfonds (IWF) massiv aufgewertet worden. Doch hinter den Kulissen mehrt sich die Kritik an der neuen Machtfülle des Fonds. Für zusätzliche Brisanz sorgen Bestrebungen der USA. So soll der europäische Anteil im IWF zugunsten der Schwellenländer reduziert werden.
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ISTANBUL. Vor allem aus der deutschen Delegation wurde bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Istanbul angemahnt, dass die Reformen „nur als Paket“ vorstellbar seien. Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen sagte dazu, dass gerade bei der Verschiebung der Stimmgewichte zugunsten der Schwellenländer nur rein ökonomische Kriterien den Ausschlag geben dürften.

Insbesondere die USA drängen mit Hinweis auf die Dynamik der aufstrebenden Volkswirtschaften auf eine Reduzierung des europäischen Anteils im IWF. Tatsächlich jedoch ist es bislang lediglich China, das auch die ökonomischen Kriterien für eine deutliche Quotensteigerung erfüllt. Im Windschatten Pekings versuchten nun aber auch eine Reihe anderer Länder, ihren Anteil zu erhöhen, hieß es am Rande der Tagung.

Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner hatte auf der Sitzung des Lenkungsausschusses des IWF gestern zudem erneut eine Verringerung der Mandate im Exekutivrat des Fonds gefordert. Washington will statt 24 Sitze nur noch 20, wogegen sich die Europäer stemmen. Und obwohl auch dieses Thema bereits eine Woche zuvor beim Treffen der G 20 in Pittsburgh behandelt wurde, hatte Geithner noch einmal den Abbau zu hoher Exporte angemahnt. Es sei ein „Schwachpunkt“ des globalen Wachstums gewesen, dass sich manche Staaten „massiv auf den Export verließen“, sagte Geithner. Zwar dürfte dabei vor allem China im Vordergrund gestanden haben, das durch seine Ausfuhrüberschüsse enorme Dollarreserven aufgebaut hat. Doch zuletzt war immer wieder auch die deutsche Exportlastigkeit in die Kritik geraten. „Dieses Modell von Wachstum und Kapitalflüssen war exzessiv ungleich und hat keine Chance zu überdauern“, sagte Geithner.

Bundesbankpräsident Axel Weber indes verteidigte nicht nur das deutsche Wirtschaftsmodell, dessen Exportleistungen auch ein Ausweis der hohen Produktqualität in Deutschland seien. Weber wandte sich auch gegen Vorstellungen, dass eine globale Nachfragesteuerung künftige Krisen verhindern könnte. Der Präsident der Bundesbank lehnte ebenfalls ab, den IWF zum zentralen Manager für Währungsreserven zu machen. Die sei nicht durch das Mandat des Fonds gedeckt. Er mahnte den IWF vielmehr, selbst Überlegungen für eine Exit-Strategie für die Zeit nach der Krise anzustellen. Auch der Fonds müsse in seiner expansiven Budgetpolitik umsteuern. Tatsächlich waren die Mittel des IWF in diesem Jahr auf rund 1 000 Mrd. Dollar aufgestockt worden.

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