Finanzkrise: Schaeffler-Krise spaltet Bundesregierung

Finanzkrise
Schaeffler-Krise spaltet Bundesregierung

Die Botschaft von Peer Steinbrück an den fränkischen Autozulieferer Schaeffler ist hart: Keinen Euro Steuergeld will der SPD-Finanzminister lockermachen, um dem krisengeschüttelten Konzern zu helfen. Doch so klar die Ablehnung auch klingen mag, ein endgültiges Nein scheint das wohl noch nicht zu sein. Denn Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ließ wissen, dass der Bund offen sei für Staatshilfen.

HB BERLIN. Im Fall von möglichen Staatshilfen für den wegen der Conti-Übernahme angeschlagenen Autozulieferer Schaeffler gibt es Unstimmigkeiten in der Bundesregierung. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) lehnte eine Unterstützung der hoch verschuldeten Schaeffler- Gruppe strikt ab. „Es ist nicht Aufgabe des Staates, in solchen Fällen einzugreifen, in denen unternehmerische Entscheidungen möglicherweise nicht durchdacht genug waren“, sagte Steinbrück der „Berliner Zeitung“. Dagegen teilte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) mit, dass der Bund in dem Fall die Federführung übernehmen will. „Die beteiligten Unternehmen werden in den nächsten Wochen ein tragfähiges und zukunftsweisendes Konzept vorlegen, das mit den wichtigsten beteiligten Banken abgesprochen ist“, sagte Wirtschaftsminister Michael Glos. „Das ist eine Voraussetzung für weitere Verhandlungen mit Bund und Ländern.“

Am Vorabend hatten sich Vertreter von Schaeffler und Conti, sowie Bund, Niedersachsen und Bayern zu einem Krisengipfel in Berlin getroffen. Auch Firmenchefin Maria-Elisabeth Schaeffler saß mit am Verhandlungstisch.

Schaeffler steht unter starkem Druck der Banken, die zusätzliche Sicherheiten für ihre Milliardenkredite verlangen. Schaeffler bittet Bund und Länder Kreisen zufolge um Bürgschaften von bis zu vier Mrd. Euro. Zuvor hatte Schaeffler beim Wirtschaftsministerium informell angefragt, ob auch eine direkte Staatsbeteiligung mit dem Kauf von Conti-Aktien möglich sei. Das wurde verneint. Schaeffler und Conti sind mit insgesamt rund 22 Mrd. Euro verschuldet.

Steinbrück erklärte, die Politik würde ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen, wenn sie jetzt bei Schaeffler einspringe. „Wir können es doch keinem Menschen erklären, Unternehmen, hinter denen Milliarden- Vermögen stehen, mit Steuergeldern zu unterstützen.“ Auf die Frage, ob die Regierung einen Rettungsschirm über die Schaeffler-Gruppe spannen werde, sagte Steinbrück: „Ein ganz klares Nein.“

Die Familienunternehmerin Schaeffler verteidigte erneut die Übernahme des viel größeren, börsennotierten Continental-Konzerns und stellte eine Lösung der Krise in Aussicht. Der „Bild“-Zeitung sagte Schaeffler, sie sehe nicht, dass sich die Firmengruppe mit dem Conti- Kauf verhoben habe. „Wir erleben die größte Finanzkrise seit Jahrzehnten, wir haben eine weltweite Rezession und Automobilkrise. Das Umfeld für alle Unternehmen hat sich dramatisch verändert. Das fordert uns jetzt, aber wir werden Lösungen finden“, sagte Schaeffler. Niemand habe die Finanzkrise und die „drastischen Folgen für die gesamte Wirtschaft“ voraussehen können. Aus juristischen Gründen könne die Conti-Übernahme auch nicht mehr abgesagt werden. Der fränkische Kugellager-Spezialist hält 49,9 Prozent der Conti- Aktien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%