Die Modelle, mit denen US-Präsident Barack Obama und Großbritanniens Premierminister Gordon Brown die Bankbilanzen entgiften wollen, beurteilt Steinbrück skeptisch. „Da lautete doch quer durch die fachlich versierte Landschaft die Bewertung: ,Wir sind nicht sicher, ob das funktionieren kann.’“ Beispielsweise enthalte das Konzept einer Public Private Partnership des amerikanischen Finanzministers Timothy Geithner, bei dem private Investoren zusammen mit dem Staat das Risiko toxischer Wertpapiere übernehmen sollen, „noch sehr viele Unwägbarkeiten“.
Die Kritik des deutschen Finanzministers am amerikanischen und britischen Bad-Bank-Modell wird den Verlauf der G20-Verhandlungen wahrscheinlich kaum stören. Von der offiziellen Tagesordnung ist die Bereinigung der Bankbilanzen kurzfristig wieder heruntergenommen worden. Allerdings werden sich die Finanzminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am Rande des Weltfinanzgipfels mit dem Thema befassen, hieß es in Regierungskreisen. Mehr als ein Informationsaustausch sei dabei aber nicht zu erwarten.
Giftmüll-Deponie
Mit völlig unterschiedlichen Konzepten wollen die britische und die amerikanische Regierung den Banken helfen, ihre Bilanzen von Risiko-Wertpapieren zu entlasten.
Großbritannien hat sich für eine Art Versicherungsschutz entschieden. Banken können sich gegen eine Gebühr gegen Ausfallrisiken bei toxischen Wertpapieren versichern. Sollten sie zu massiven Wertberichtigungen gezwungen werden, übernimmt der Staat den größten Teil der Abschreibungsverluste, um das Eigenkapital der Bank zu schonen.
Die US-Regierung setzt dagegen auf eine schnelle Bereinigung der Bankbilanzen. Wenn ein privater Investor Risikopapiere übernimmt, kann er bis zu 85 Prozent der Kaufsumme durch günstige Regierungskredite finanzieren. Den restlichen Kaufpreis teilen sich Staat und Investor jeweils zur Hälfte. US-Finanzminister Geithner hofft, dass er mit diesen lukrativen Bedingungen auch Hedge-Fonds anlocken kann.