_

Finanzkrise: Steinbrück lehnt Bad Bank ab

exklusiv Bundesfinanzminister Steinbrück will bis zur Bundestagswahl kein Modell für eine umfassende Auslagerung von Risiko-Wertpapieren aus den Bankbilanzen vorlegen. „Das, was einige beim Thema Bad Bank arglos fordern, läuft auf komplexe Rechtsänderungen hinaus, was in dieser Legislaturperiode nicht mehr möglich ist“, sagte Steinbrück dem Handelsblatt.

Peer Steinbrück will bis zur Bundestagswahl kein Modell für eine umfassende Auslagerung von Risiko-Wertpapieren aus den Bankbilanzen vorlegen. Quelle: dpa
Peer Steinbrück will bis zur Bundestagswahl kein Modell für eine umfassende Auslagerung von Risiko-Wertpapieren aus den Bankbilanzen vorlegen. Quelle: dpa

BERLIN. Der Finanzminister begründete seine Haltung damit, dass die Abschreibungsprobleme deutscher Banken im Vergleich zu den Geldhäusern in den Vereinigten Staaten und Großbritannien deutlich geringer seien. Die Bad-Bank-Konzepte der amerikanischen und der britischen Regierung will Steinbrück nicht übernehmen, diese überzeugten ihn noch nicht.

Anzeige

Allenfalls will Steinbrück solche Papiere von den Banken an den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) übertragen lassen, die grundsätzlich werthaltig sind, aber aktuell am Markt keinen Preis erzielen – beispielsweise griechische Staatsanleihen. „Ich kann mir vorstellen, dass der Bund den Banken bei der Absicherung der derzeit illiquiden Papiere hilft. Dafür sollten die Gesetze zum Bankenrettungsfonds geändert werden“, sagte Steinbrück. „Für die toxischen Wertpapiere müssen die Banken selbst eine Lösung finden, das kann der Staat nicht leisten“, sagte er.

Die Äußerungen des Finanzministers sind überraschend. In den vergangenen Wochen hatte Steinbrück wiederholt betont, eine Lösung bei der Auslagerung von Risiko-Wertpapieren voranzutreiben, um die Abwertungsspirale in den Bankbilanzen zu stoppen. Der Bundesverband deutscher Banken hatte Steinbrücks Pläne unterstützt und sich mit einem eigenen Modell in die Debatte eingeschaltet, um eine Lösung des Problems zu forcieren. Entlastung will Steinbrück jetzt vor allem über die weitere Lockerung der internationalen Bilanzregeln erreichen, auf die sich vor zwei Wochen der EU-Gipfel verständigt hatte.

Nach Schätzungen von Finanzexperten schlummern in den Bilanzen deutscher Banken Risiko-Wertpapiere mit einem Volumen von mehreren Hundert Mrd. Euro. Sollten sich die internationalen Finanzmärkte nicht bald erholen, müssen die Banken auf diese Bilanzpositionen deutliche Wertberichtigungen vornehmen. Das würde die ohnehin dünne Eigenkapitalausstattung weiter schwächen.

Nach Ansicht von Steinbrück sind in Deutschland „im Wesentlichen nur Landesbanken und wenige private Institute wirklich betroffen“. Eine Bilanzbereinigung allein auf Kosten des Steuerzahlers lehnt der Finanzminister entschieden ab. „Diejenigen, die mich vor allem aus der Union kritisieren, dass ich endlich ein deutsches Modell für Bad Banks vorlegen muss, haben immer noch nicht verstanden, dass es leicht zu weiteren Haushaltsbelastungen von 200 Mrd. Euro kommt, wenn eine weitgehende Bilanzbereinigung kommen soll“, sagte Steinbrück.

  • Die aktuellen Top-Themen
Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

IWF-Chefin wird deutlich: Lagarde zeigt wenig Mitleid für die Griechen

Lagarde zeigt wenig Mitleid für die Griechen

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, hält den Druck auf Griechenland für angemessen. Ihr Ratschlag an die Griechen: „Sie sollten sich alle zusammen selber helfen, indem sie ihre Steuern zahlen.“