Finanzkrise
Viel Lob für Köhlers Banken-Schelte

Die harsche Kritik von Bundespräsident Horst Köhler an Deutschlands Bankern findet nicht nur Zustimmung seitens der SPD und der FDP. Köhlers scharfe Worte kamen auch bei den Geldhäusern an. Die Vorstandschefs gelobten Besserung.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. „Ich glaube, er liegt richtig“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagfraktion, Rainer Wend, im Gespräch mit Handelsblatt.com. „Köhler ist ein erfahrener Mann, der sich in Fragen der internationalen Währungsaufsicht auskennt.“ Sein Wort habe deshalb „besonderes Gewicht“, so Wend.

Der Bundesvize der FDP, Rainer Brüderle, forderte angesichts der Banken-Kritik Köhlers die Bundesregierung zum Handeln auf. „Es darf jetzt aber nicht nur bei klugen Reden des Bundespräsidenten bleiben“, sagte Brüderle zu Handelsblatt.com. „Die Bundesregierung muss national und international aktiv für eine bessere Bankenaufsicht und für Transparenzregeln kämpfen.“ Nach Ansicht Brüderles gehen die Forderungen Köhlers nach internationalen Spielregeln für den Finanzmarkt und nach einer Aufsicht über die globalen Finanzmärkte in die richtige Richtung. „Den IWF mit diesen Aufgaben zu betrauen, wäre eine pragmatische Lösung“, sagte der FDP-Politiker. „Dann müsste man nicht für teures Geld eine neue Behörde aus dem Nichts schaffen und könnte sich mögliche Streitereien um den Organisationssitz sparen.“

Köhler hatte zuvor vor den Spitzen der Bankbranche den deutschen Bankern mit scharfen Worten ins Gewissen geredet und sie aufgefordert, ihre Verantwortung für die Finanzkrise zu übernehmen. „Lassen Sie die Phase hinter sich, in der Sie mit dem Finger auf andere Leute zeigen“, sagte er. Köhler forderte eine grundlegende Erneuerung der Finanzindustrie, die weltweit mit Milliardensummen der Staaten gestützt werden muss. Statt der Jagd nach Rendite müssten Demut, Bescheidenheit und Anstand das Gebot der Stunde sein.

„Die Nachricht ist angekommen“, reagierte Commerzbank-Chef Martin Blessing auf Köhlers Mahnung. Er räumte die Mitschuld der Banker an der seit über einem Jahr dauernden Finanzkrise ein. „Ich gebe es zu: Ja, Banken und Marktteilnehmer haben Fehler gemacht“, sagte Blessing, dessen Haus vom Bund Kapitalhilfen von mehr als acht Mrd. Euro in Anspruch nimmt. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gelobte Besserung: „Wir als Finanzbranche werden alles dafür tun, um Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und ähnliche Dinge in der Zukunft zu vermeiden.“

Bankenverbandspräsident Klaus-Peter Müller sprach von einer bemerkenswerten Rede Köhlers, die Nachwirkungen in der Branche haben werde. „Der Bundespräsident hat uns einen Spiegel vorgehalten - und das war gut und richtig so.“ Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, rief zu mehr „Disziplin“ im Finanzsystem auf. Dies reduziere die Gefahr starker Verwerfungen und führe zu einer angemesseneren Bewertung der Risiken.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
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