Finanzmärkte Banken halten Steuer für wirkungslos

Mit einem Mausklick kann man den Ort seines Handelsplatzes bestimmen - und eine Steuer auf Finanztransaktionen schlicht umgehen, warnen die Banken. Auch die Politik diskutiert um das Potenzial einer Abgabe.
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Börse in Frankfurt. Quelle: dapd

Börse in Frankfurt.

(Foto: dapd)

BerlinDie deutschen Privatbanken wehren sich mit Händen und Füßen gegen eine Transaktionssteuer auf Börsengeschäfte. Weil ihr Börsenprofis mit einem Klick am Computer ausweichen könnten, seien am Ende nur Sparer und Kleinanleger gekniffen, sagte Bankenverbandspräsident Andreas Schmitz der „Bild am Sonntag“ laut Vorabmeldung. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier warnte vor einem Verlust von 70.000 Jobs am Finanzplatz Frankfurt. Auch in der FDP schlägt Kanzlerin Angela Merkel wenig Sympathie für ihren gemeinsamen Steuervorstoß mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy entgegen. Die SPD warf der Koalition vor, sie habe in Wahrheit kein Interesse an einer Kontrolle der Märkte.

Merkel und Sarkozy wollen noch im September einen Vorschlag machen, wie Börsengeschäfte in der Europäischen Union besteuert werden könnten. Am Dienstag will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble darüber mit seinem französischen Kollegen François Baroin beraten. Im Gespräch war zuletzt ein Steuersatz bis zu 0,05 Prozent pro Transaktion.

Laut dem Bundesverband deutscher Banken (BdB), dessen Mitglieder direkt betroffen wären, wäre die Steuer wäre wirkungslos. Sie schütze nicht vor Finanzkrisen, denn den Börsenprofis sei es egal, ob sie ihre Geschäfte über die Börsen in Europa, Asien oder den USA abwickelten, sagte BdB-Präsident Schmitz. Dazu genüge ein Mausklick, der den Handelsort festlege: „Die großen Steuereinnahmen bleiben also aus.“ Befürworter gehen dagegen von 30 bis 50 Milliarden Euro Einnahmen pro Jahr aus.

Bouffier warnte in der „Passauer Neuen Presse“, die Steuer ohne den größten europäischen Finanzplatz London einzuführen: „Alles andere wäre ein großer Fehler.“ Frankfurt müsse als Finanzplatz erhalten bleiben. Bisher sperren sich die Briten gegen die Steuer. Schäuble hatte deshalb nicht ausgeschlossen, sie notfalls nur im Gebiet der 17 Euro-Länder einzuführen. Auf globaler Ebene der G20-Länder ist die Steuer schon gescheitert.

FDP: Keine Steuer ohne Großbritannien
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11 Kommentare zu "Finanzmärkte: Banken halten Börsensteuer für wirkungslos"

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  • Ich verstehe die ganze Aufregung um die FTS nicht. Vor allem die komische Äußerung "ohne GB können wir die FTS nicht einführen" kann ich nicht nachvollziehen.

    Im Gegensatz zu Deutschland hat GB doch schon längst eine Steuer...die in Deutschland 1992 abgeschaffte Börsenumsatzsteuer (SRDT). Komischerweise ist London trotz dieses Wettbewerbsnachteils immer noch Europas Handelsplatz Nr. 1. Das Argument von Herrn Schmitz zieht insofern schon einmal nicht.

    Außerdem: Ja, wenn die Hochdruckzocker wirklich auf andere Länder ausweichen, verliert Frankfurt eventuell 70.000 Jobs. Das ist bitter, aber eventuell spart diese Maßnahme dann in 10 Jahren beim Platzen der nächsten Zockerblase 500 Mrd. EUR, um das System wieder zu stabilisieren. Das wäre pro verlorenem Investmentbankerjob rd. 750.000 EUR jährlich.

    Ich denke, soviel Steuereinnahmen können die Herrschaften gar nicht generieren, als dass man dafür auf die FTS verzichten sollte.

  • Ja richtig, es ist ein Beweis der Einfallslosigkeit und der Inkompetenz des/der Minister. Aber das Feindbild Spekulant und Hedgefond wurde so liebevoll gepflegt, dass sich so eine Steuer, die sich angeblich nur gegen diese Feindbilder richtet gut verkaufen lässt. DAs bringt Wählerstimmen und natürlich auch Moneten ins Staatssäckel

  • Unverständlich - zusätzlich zu der Möglichkeit auf andere Finanzmärkte auszuweichen; Die Tobin oder auch Transaktionssteuer erhöht - abgesehen von unrealistischen marktfernen Annahmen - theoretisch die Volatilität und erzeugt somit neue Gelegenheiten für Spekulationen. Das lässt sich beweisen und ist Wirtschaftswissenschaftlern schon einige Zeit bekannt. Es gibt sogar empirische Studien also Beobachtungen aus der Praxis die das bestätigen. Wie kommen die sogenannten Fachleute also immer wieder auf die Idee das man dieses Instrument einsetzen solle anstatt Alternativen zu suchen ? Einfallslosigkeit ?

  • Ähnlich konfus wie der Ihre. Unterschied zw. Job und Arbeitsplatz häh? Die Steuer ist völlig unwirksam sagen die Banken, was soll da anrüchig sein. Sie solll Spekulanten und Banken treffen. Die ersteren ziehen um, die Banken geben die Kosten an die Kunden weiter! A
    So ist das Konstrukt völliger Blödsinn und wird frühesten eingeführt wenn DIW Linken regieren.

  • "Befürworter gehen dagegen von 30 bis 50 Milliarden Euro Einnahmen pro Jahr aus".

    Glaubt irgendwer ernsthaft dass die Finanzbranche so hohe Summen freiwillig bereitstellt? Die ganz großen Player werden dieser Steuer ausweichen. Das ist doch sowas von sicher.

    Selbst bei der freiwilligen Beteiligung zum Rettungsschirm kamen solche Summen nicht mal annähernd zusammen.

  • Ich würde dem zustimmen. Wichtig ist vor allem dass London diese Steuer ebenfalls einführt.

    Aber ist das denn nicht alles paradox? Wenn man kurzfristig orientierte Spekulanten zur Kasse bitten will, warum hat man dann damals die alte Steuerregel durch eine Abgeltungssteuer ersetzt?

    Erst durch die Abgeltungssteuer wurde doch das kurzfristige Spekulieren mit der Langfristanlage gleich gestellt.

    Ich würde daher empfehlen die Abgeltungssteuer auf 35% zu erhöhen und im Gegenzug für Langfristanleger wieder eine Haltefrist einzuführen ab der die Erträge steuerfrei werden. Man kann diese Haltefrist ja statt 1 Jahr auf 2 oder 3 Jahre hochsetzen. Damit würde man zudem all diejenigen schonen die fürs Alter vorsorgen.

  • Das ist doch nur Augenwischerei.

    Die Finanzwelt wird sich bestimmt nicht von der Politik kontrollieren lassen. Alles, was die Politiker bisher unternommen haben, wurde ausgehebelt, bevor die neuen Gesetze von der Ferstplatte ausgelesen wurde.

  • Die FTS trifft die Falschen! Banken legen die Steuer auf den Kunden um und dieser zahlt dann doppelt. Seine und die der Bank. Um den Hochfrequenzhandel zu verlangsmen wird diese Mittel also ins Leere laufen. Wenn D einen Alleingang ohne GB startet wir GB nicht nachziehen. so heile ist die Welt nicht. ganz im Gegenteil: Der Finanzplatz London kann wieder erstarken, wenn die Gelder aus der Eurozone abgezogen werden.

    Auf der anderen Seite kann die Regierung natürlich kräftig kassieren. Angenommen die Umsätze bleiben die gleichen wären das 2stellige Millonebeträge pro Tag. Nur sollten unsere Politiker das dann auch sagen. die anderen Begründungen sind nur vorgeschoben.

  • Irgendwas stimmt an diesem bericht nicht! Wenn diese Transaktionssteuer doch, laut den Banken, doch völlig unwirksam sein wird, weshalb wehren sie sich dann so vehement?
    Wenn diese Steuer nicht wirksam sein wird, wieso sollte dann Frankfurt 70.000 Jobs verlieren? Übrigens für Jobs sollte es nicht schade sein, solange es keine wirklichen Arbeitsplätze sind!
    Hier wird wie Kraut und Rüben durcheinander argumentiert. Wem dieser idiotische Aufsatz wohl eingefallen ist?
    Aber genauso geht es in der Politik zu, lauter hirnrissiges gewäsch, mehr nicht!

  • Warum gibt es immer weniger Aktionäre?
    Wegen dem Hochfrequenzhandel, der dem Markt die Gewinne, die die Unternehmen erarbeiten und den Aktionären auch zustehen über millionenfache cent-Kursgewinne, entzieht. Dabei verstärkt er die Anfälligkeit der Märkte für Insider. Der Markt entzieht sich so auf Dauer seiner Grundlage und das ist der private Anleger. Die Banken und Hochfrequenzhändler sind als Abkassierer daran nicht interessiert, obwohl es ohne Anleger sie nicht mehr gibt. Es genügt sogar nur 0,01% um diesem schwarzen Loch der Finanzwelt den garaus zu machen. Wenn die Eurozone da voran geht, wird dann demnächst London nachziehen und dann auch New York.

    Die anderen Euro-Länder sollten EURO-Bonds ohne Deutschland einführen. Mit der deutschen Demografie kommt dann D automatisch später dazu. Natürlich dann später zu schlechteren Konditionen.

    Bei einer nachhaltigen Gesellschaft würden sogar die Schulden erheblich sinken bei sowenig Geburten und Aufzuchtausgaben. Hier steigen sie mit 4% im Jahr bei durchschnittlich 2% Wachstum. Was heißt dies: Gelddrucken jetzt und in Zukunft oder Hyperinflation 2023.

    Diese Schein-Eliten sind so degeneriert, dass sie für ihr Geld sogar die Demokratie und ihre Freiheit riskieren.

    In der Diktatur ist nicht nur das Volk eingesperrt auch die Herrschenden, die sich vor dem Volk flüchten.

    Wie auch immer: Wenn die Prozesse und dabei besonders die Gier aus dem Ruder laufen und damit nicht nachhaltig sind, werden sie von übergeordneten Regelkreisen wie Hyperinflation, Bürgerkrieg usw. wieder eingefangen.

    Die Welt der Nachkriegsgeneration geht gerade unter. Im Krieg gegen unsere Lebensgrundlagen ist diese für ein paar Kreuzfahrten sehr erfolgreich.
    Es wird Zeit diesen Lebensstil grundlegend zu ändern. Eine FTS ist da ein Anfang. Der nächste Schritt ist es den Banken die Geldschöpfung zu entziehen und die Staaten mit Staatsentschuldungsanleihen bei den Zentralbanken langfristig zu entschulden mit Neuverschuldungsverbot.

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