Finanzminister Schäuble
„Wenn die Welt einstürzt, stürzt auch die schwarze Null“

Keine Sorgen: Bundesfinanzminister Schäuble (CDU) sieht den Folgen der zahlreichen Krisen für Deutschland gelassen entgegen. Die Situation sei „beherrschbar“. Allerdings sieht er „gefährliches Potenzial“.
  • 19

BerlinFinanzminister Wolfgang Schäuble hält die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krisen in der Ukraine sowie im Nahen und Mittleren Osten bislang für überschaubar. In einem Interview der „Passauer Neuen Presse“ vom Mittwoch sagte Schäuble: „Im Augenblick ist die Situation beherrschbar.“ In Deutschland sei die wirtschaftliche Lage nach wie vor stabil – vor allem dank der robusten Binnennachfrage. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft seien nicht gravierend. „Aber sie (die Krisen) bergen gefährliches Potenzial“, fügte er hinzu. Dass es mit dem Ukraine-Konflikt eine „kriegerische Zuspitzung mitten in Europa mit russischer Beteiligung“ gebe, sei besorgniserregend. Auch die Ausbreitung der Ebola-Seuche mache ihm Sorgen.

Mit Blick auf die deutsche Entwicklung räumte Schäuble aber ein, dass die Konjunktur derzeit wegen der Krisen in der Ukraine und andernorts „etwas eingetrübt“ sei. „Wir rechnen mit bis zu zwei Prozent Preissteigerung und bis zu dreieinhalb Prozent nominellem Wachstum“, ergänzte er, ohne aber genau zu sagen, welches Jahr er meine.


Jüngste Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi, die als Plädoyer für eine Lockerung der Sparpolitik interpretiert worden waren, beurteilte Schäuble gelassen. „Ich kenne Mario Draghi sehr gut. Ich glaube, da wird er überinterpretiert“, sagte er der Zeitung. Was die Äußerungen des gerade aus dem Amt geschiedenen französischen Wirtschaftsministers Arnaud Montebourg angeht, der zum Widerstand gegen das deutsche „Spardiktat“ in Europa aufgerufen hatte, merkte Schäuble an: „Diese Wortmeldungen haben mich natürlich nicht gefreut.“ Doch das seien innenpolitische Auseinandersetzungen im Nachbarland. Inzwischen seien die „richtigen Konsequenzen gezogen worden“, sagte Schäuble mit Blick auf die Kabinettsumbildung. Generell seien solide Finanzen und Strukturreformen die richtige Lehre aus der jüngsten Euro-Staatsschuldenkrise.

Die Lage im Euro-Raum beurteilte Schäuble positiv: „Die Länder unter dem Rettungsschirm haben enorme Fortschritte gemacht.“ Bezogen auf Deutschland sei es gut, dass hier eine solide Haushaltspolitik betrieben worden sei. Er mahnte aber: „Wir brauchen Strukturreformen in Deutschland und in Europa, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.“ Auch müsse die öffentliche Infrastruktur verbessert und die Finanzmärkte leistungsstärker gemacht werden. Was die angestrebte „schwarze Null“ im Bundeshaushalt 2015 angehe, so sei man auf einem guten Weg. „Aber wenn die Welt einstürzt, stürzt auch die schwarze Null“, mahnte er. Die deutsche Schuldenquote werde bis Ende der Legislaturperiode unter 70 Prozent kommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzminister Schäuble: „Wenn die Welt einstürzt, stürzt auch die schwarze Null“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zitat Schäuble:
    "Wenn die Welt einstürzt, dann stürzt auch die schwarze Null".
    Schäuble sitzt doch sicher, warum also sollte er stürzen?

  • Sehr empfehlenswert das neue Buch
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/08/21/ukraine-globale-kriege-treiben-die-pluenderung-der-welt-voran/comment-page-3/#comment-731745

  • Dass es mit dem Ukraine-Konflikt eine „kriegerische Zuspitzung mitten in Europa mit russischer Beteiligung“ gebe, sei besorgniserregend.
    ----------------------------
    Ach ja?
    Na, wr hat die Krise denn angezettelt? Das war der Westen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%