Finanzminister Steinbrück sagt Börsengang vorläufig ab
Börsen-Bahn springt aus der Spur

Die Deutsche Bahn AG wird voraussichtlich nicht vor dem Jahr 2010 teilprivatisiert. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück kündigte am Mittwoch nach einer Sitzung des Verkehrsausschusses an, aufgrund der schlechten Weltwirtschaftslage und des Börsenumfelds sei vor der Bundestagswahl im September 2009 nicht mehr damit zu rechnen, dass der Bund zufriedenstellende Privatisierungserlöse erziele.

BERLIN/DÜSSELDORF. Daher würden sie im Haushalt nicht eingeplant. Es sei aber möglich, das Projekt sofort wieder aufzunehmen, sollte sich das Börsenklima wieder „aufhellen“. Der Beschluss nimmt den Druck von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee in der Diskussion über Bonuszusagen für Bahn-Manager.

Bei der Bahn gab es nach der Pressekonferenz des Ministers Krisensitzungen. „Das wird einige Erschütterungen geben“, hieß es. Das Aufgabenfeld Börsengang werde es jetzt erst einmal nicht mehr geben. Öffentlich äußerte sich das Bahn-Management jedoch nicht. „Die müssen sich jetzt erst einmal sortieren und verstehen, was da passiert ist“, sagte ein Berater. Wirtschaftlich hat die Absage des Börsengangs auf das Verkehrsunternehmen keine negativen Folgen. Die durch den Börsengang erlösten Mittel sollten für Projekte wie Bahnhofsanierungen oder Schallschutzmaßnahmen verwendet werden. Für den laufenden Betrieb waren die Gelder nicht vorgesehen.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn war noch in der vergangenen Woche mit Außenminister Steinmeier in den Mittleren Osten gereist, um dort für den Börsengang zu werben. Anfang dieser Woche waren der Vorstandschef und Finanzchef Diethelm Sack in gleicher Mission in London. Mit Spannung wird im politischen Berlin erwartet, ob Mehdorn nun zurücktritt. Ein Regierungssprecher betonte jedoch am Mittwoch, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe weiterhin Vertrauen in den Bahnmanager.

Der Aufsichtsratschef der Bahn, Werner Müller, zeigte Verständnis für die vorläufige Absage des Börsengangs. Er kündigte neue Gespräche nach der Bundestagswahl 2009 an. „Es ist ebenso verständlich wie bedauerlich, dass trotz der guten wirtschaftlichen Ergebnisse der Deutschen Bahn die Bundesregierung den Börsengang wegen der schwachen Finanzmärkte für diese Legislaturperiode abgesagt hat“, sagte Müller am Mittwoch in Essen. „Nach der Bundestagswahl wird sich das Thema neu stellen. Mit der dann gewählten Bundesregierung wird der Aufsichtsrat in Ruhe reden“, sagte Müller. Die Bahn-Gewerkschaft Transnet warnte vor einer neuen Debatte über die Zukunft der Bahn.

Seite 1:

Börsen-Bahn springt aus der Spur

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%