Finanzminister von Bund und Ländern arbeiten an Verwaltungsvorschrift
Firmen fürchten erschwerte Software-Abschreibung

Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft fürchten eine gravierende Verschlechterung der Abschreibungsregeln für Investitionen in Computer-Software. Nach ihren Informationen arbeiten die Finanzministerien von Bund und Ländern zur Zeit an einer Verwaltungsvorschrift, nach der die Nutzungsdauer für Software auf zehn Jahre verlängert werden soll.

BERLIN. Dies aber „entspricht weder den technischen noch den betriebswirtschaftlichen Gegebenheiten“, heißt es in einem Schreiben der acht Verbände an das Bundesfinanzministerium, das dem Handelsblatt vorliegt. Zu den Verbänden zählen der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Bisher wird Software je nach ihrer spezifischen Nutzungsdauer über drei bis fünf Jahre abgeschrieben. Eine Verlängerung auf zehn Jahre würde bedeuten, dass die Firmen in der Zeit, bis sie eine neue Softwareversion installieren müssen, nur ein Drittel bis die Hälfte der Anschaffungskosten geltend machen können. Die Verbände verweisen in ihrem Schreiben auf die Erfahrung jedes Computernutzers, dass die Softwareindustrie für ihre Produkte in der Regel kaum länger als vier bis fünf Jahre Wartungsverträge anbietet – weshalb ihre Kunden zu ständiger Innovation gezwungen seien.

Das Bundesfinanzministerium reagierte zunächst zurückhaltend auf das „doch sehr detaillierte Schreiben“, so eine Sprecherin. Man stehe erst ganz am Anfang der Abstimmung mit den Ländern.

Die Arbeiten an dem neuen Verwaltungsschreiben (BMF-Schreiben) basieren nach Darstellung der Verbände auf einem Beschluss der Steuerabteilungsleiter von Bund und Ländern aus dem Jahr 2003. Ende 2004 setzten ihn die Bremer Finanzverwaltung und die Oberfinanzdirektion Magdeburg in Erlasse um, die dort ansässige Unternehmen alarmiert haben. Inzwischen suchen die Ministerien nach einer bundeseinheitlichen Regel.

Diese soll offenbar bis ins Detail regeln, wie welche Art der Anschaffung oder Eigenentwicklung von Software künftig steuerlich behandelt werden soll. Die Verbände fordern, die Abgrenzungen möglichst Unternehmer-freundlich vorzunehmen.

Danach sollten etwa die Kosten für das Personal, das Beratung, Schulung und Integration in der Einführungsphase vornimmt, nicht zu den Anschaffungsnebenkosten, sondern zu den Personalkosten zählen – denn die sind sofort abziehbar.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%