Finanznöte
Deutsche Kommunen besorgt über den britischen Abzug

Die Briten ziehen ihre Truppen schneller als geplant aus Deutschland ab - und hinterlassen besorgte Kommunalpolitiker. Die betroffenen Länder und Städte im Norden und im Westen fürchten negative Folgen für die heimische Infrastruktur.
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HB BERLIN. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen macht sich wegen des Truppenabzugs der Briten Besorgnis breit. Viele Städte fürchten wirtschaftliche Einbußen. Die Bundesregierung dankte den Briten für ihre jahrelange Präsenz in Deutschland. Sie sieht in dem Abzug keine Konsequenzen für die Bundeswehrreform, bei der die Zahl deutscher Soldaten drastisch sinken soll.

Großbritannien will die Standorte der britischen Rheinarmee in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auch aus Sparzwängen früher räumen - bis spätestens 2020 statt bis 2035. Dort sind derzeit noch rund 20 000 Soldaten stationiert. Ein konkreter Abzugsplan sei frühestens im ersten Halbjahr 2011 zu erwarten, sagte ein Sprecher der Rheinarmee der Deutschen Presse-Agentur.

Die Regierung in Berlin wollte die Abzugspläne des britischen Premiers David Cameron nicht bewerten. "Die Bundesregierung nimmt das zur Kenntnis", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Über den praktischen Ablauf des Truppenabzugs werde sich die Bundesregierung mit den Briten austauschen. "Die große Leistung, die die britische Armee in der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik erbracht hat, die kann man gar nicht hoch genug würdigen." Die britische Armee habe den Frieden in Deutschland gesichert.

Die niedersächsische Landesregierung reagierte wegen des Abzugs mit Bedauern. "Zu den einzelnen Standorten können wir noch nichts Konkretes sagen. Aber wir bedauern das selbstverständlich", sagte Sprecherin Nina Hacker. Der Sprecher der Stadt Hameln, Thomas Wahmes, sagte: "Für uns ist der Abzug eine Katastrophe, ein Aderlass, den wir gar nicht ausgleichen können." Der Oberbürgermeister von Celle, Dirk- Ulrich Mende (SPD), forderte Hilfe von Bund und Ländern.

Auch in Nordrhein-Westfalen zeigten sich Städte besorgt. "Die Briten sind ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor", sagte die Bürgermeisterin von Gütersloh, Maria Unger. Der Bürgermeister von Herford, Bruno Wollbrink, betonte: "Das ist eine enorme Wirtschaftskraft, die damit verloren geht."

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  • Rechte Tasche, linke Tasche. Jedesmal wenn irgendeine Veränderung ansteht schaut jeder Politiker auf sein Umfeld und beschwert sich. Wie hier. Die Kosten der Stationierung werden zum überwiegenden Teil von der bundesrepublik getragen (http://goo.gl/FhF0)und kosten uns mehr als die Regionalpolitiker von den stationierten Truppen zurückbekommen.
    Also reden wir nicht von: Heh, die briten geben kein Geld mehr aus. Sondern von : Heh, wir brauchen 'ne Übergangslösung wie wir unser Geschäftsmodell umstellen. Und dann können alle das Geld für was sinnvolleres ausgeben als zigtausend briten ein Soldatenleben in Deutschland zu ermöglichen.

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