Finanzpolster
Historisch hohe Reserve in deutscher Rentenkasse

Der Konjunktur und dem Weihnachtsgeld sei Dank: Die Finanzreserve in der deutschen Rentenkasse ist so hoch wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Nur 1992 war das Polster noch höher.
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StuttgartDie Finanzreserve in der deutschen Rentenkasse ist auf einen der höchsten Beträge in der Geschichte der Bundesrepublik gestiegen. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung erhöhte sich die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage im November auf 23,2 Milliarden Euro. Ein Sprecher bestätigte damit am Freitag einen Bericht der „Stuttgarter Zeitung“.

Nur im Jahr 1992 war das Finanzpolster der Rentenkasse demnach mit etwa 25 Milliarden Euro noch höher gewesen. Grund für die gute Lage seien eine robuste Konjunktur und die Zahlung des Weihnachtsgelds an Arbeitnehmer. Die Reserve vom November entspricht laut Deutscher Rentenversicherung 1,38 Monatsausgaben.

Auf eine Schätzung für den voraussichtlichen Wert zum Jahresende wollte sich der Sprecher noch nicht festlegen. Vor einigen Wochen hatten die Rentenversicherer bis Ende 2011 eine Nachhaltigkeitsrücklage von rund 23,5 Milliarden Euro vorhergesagt. Dieser Wert könnte laut „Stuttgarter Zeitung“ angesichts der guten November-Zahlen aber übertroffen werden, weil die Reserven im Dezember erfahrungsgemäß nochmals stark anstiegen - unter anderem weil in vielen Unternehmen dann das Weihnachtsgeld ausbezahlt wird.

Der Beitrag zur Rentenversicherung sinkt zum Jahreswechsel von bisher 19,9 Prozent auf 19,6 Prozent. Laut Gesetz muss der Beitrag gesenkt werden, wenn die Nachhaltigkeitsrücklage den Umfang von 1,5 Monatsausgaben übersteigt. Das entspricht laut Deutscher Rentenversicherung derzeit rund 25,5 Milliarden Euro. Grundlage ist jeweils die Prognose vom Oktober für das Ende des folgenden Jahres. Bisherigen Vorhersagen zufolge könnte der Rentenbeitrag 2013 erneut sinken, möglicherweise auf 19,2 Prozent. Die Deutsche Rentenversicherung wollte sich dazu aber jetzt noch nicht äußern.

Der rentenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Weiß (CDU), sagte der „Stuttgarter Zeitung“, die Rentenversicherung sei „kerngesund“. „Trotz aller Unkenrufe bestätigt sich, dass die Unternehmen nach wie vor häufig Weihnachtsgeld bezahlen“, ergänzte er. Dies führe zu einem überraschend hohen Geldeingang bei der Rentenkasse.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzpolster: Historisch hohe Reserve in deutscher Rentenkasse"

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  • Hat schon einmal jemand darüber nachgedacht, warum und wie diese Reserve in der deutschen Rentenkasse entstand/entsteht und wem diese Gelder geklaut wurden und werden??


    Hat schon einmal jemand darüber nachgedacht, wer die Rentenbeitragssenkung zahlt?

    Richtig, die zahlt der Rentner und zwar nur der Rentner.
    Wie? Wodurch? Ja, es ist der rentenkürzende Nachhaltigkeitsfaktor. Die so eingekürzten Renten werden, wenn nicht für Fremdleistungen verjubelt, gesammelt. Den so gewonnenen "Überschuss" muss laut extra dafür gemachtes Gesetz als deklarierte Beitragssenkung ausgeschüttet werden, obwohl uns anderes erzählt wurde, siehe Wikipedia.

    Der Nachhaltigkeitsfaktor sollte doch zur Reserve führen, um den kommenden demographischen Wandel abzufedern.

    Seit Einführung des rentenkürzenden Nachhaltigkeitsfaktors im Jahre 2005 müsste ein Vielfaches als Reserve in der Rentenkasse sein. Wo ist das Geld? Wo ist das Geld der Versicherten geblieben?

    Sehr trickreich, ist die Reserve zu groß geworden, schenkt man auf Umwegen diese Gelder den Unternehmern. Geil, sagen die bestimmt und danken dem Raffelhüschen und denen, die die Gesetze dafür durchgesetzt haben. Aus der Rentnertasche raus, in die Unternehmertasche rein. Echt geil! Normale Ausdrucksweise ist hier nicht mehr angebracht.

    Der Beitragszahler merkt nichts davon, denn der gesunkene Beitragssatz wird demnächst, nach den nächsten oder übernächsten Beitragssenkungen (bereits angekündigt) für die Arbeitgeber eingefroren und dann geht es richtig los. Dann werden die Arbeitnehmer so richtig zur Kasse gebeten.

    Ist das noch mit dem Begriff "Gerechtigkeit" zu vereinbaren? NEIN !!!

  • oder bei Youtube nach Otto Teufel suchen und sich den Vortrag anhören-sehen- was die gesetzliche Rentenversicherung wirklich zerstört. Altersversorgung in Deutschland- über das Zweiklassenrecht zur Zweiklassengesellschaft, nehmen Sie sich die Zeit! Der sogenannte Bundeszuschuss ist gar kein Zuschuss, sondern Ersatzleistungen des Bundes, der die nicht beitragsgedeckten, versicherungsfremden Leistungen zurückzahlen soll, was aber seit 1957 noch nie vollständig passiert ist, so dass der GRV bis heute 700 Milliarden fehlen. Das Geld gehört nicht dem Staat, es gehört den GR-Versicherten. Die Politik schafft sich Fakten, die sie braucht um die GRV weiter zugunsten der teuren sehr unsicheren Finanzmärkte privatisieren.

  • Nach § 158 SBG VI sollen die Beitragssätze geändert werden, wenn die Nachhaltigkeitsrücklage weniger als 20% der durchschnittlichen Monatsausgabe (zu eigenen Lasten) - dann nach oben - oder mehr als das 1,5 fache dieser Ausgaben beträgt (war 3fache), dann nach unten. Laut Statistik der GRV s. http://www.deutsche -rentenversicherung.de betrug die Monatsausgabe zu eigenen Lasten am 30.6.2011 €17.012/ Monat. Das 1,5-fache wären € 25.520/ Monat. Die Nachhaltigkeitsrücklage betrug am 31.12.2010 € 18.509, am 30.6.2011 € 18.986. Eine Änderung des Beitragssatzes wäre also zu diesem Zeitpunkt nicht angezeigt. Nach dem Artikel rechnet man offenbar damit, dass die Rücklage auf € 24 Mrd. ansteigt. Das wären ab er auch weniger als € 25.520 Mrd. Es ist im übrigen sonderbar, dass man schon vor Erreichen des 150% die Beiträge ändert. Auch sind die Grenzen für eine Änderung m.E. viel zu gering und im § 158 ist der Zeitpunkt der Änderung sehr ungenau bezeichnet. Das Gesetz ist auch hier nicht klar und eindeutig formuliert. Der Hammer ist jedoch, dass der "Bundeszuschuss" (ist kein Zuschuss) um € 700 Millionen gekürzt werden soll. Das ist wohl der Hauptgrund für die Änderung. Da zeigt sich wieder einmal, dass der § 213 SGB VI eine Fehlkonstruktion ist, sehr wahrscheinlich gewollt. Richtig wäre die Zahlungen des Bundes nach den tatsächlichen Fremdleistungen zu bemessen u. dann hätte die Höhe der Rücklage gar keine Auswirkung auf den Bundeszuschuss, auch nicht der Beitragssatz. Der geringere Zuschuss vermindert ja auch wieder die Rücklage. Tricksereien bei den Rentengesetzen ohne Ende. Eine Senkung um 0,3% als Erfolg zu verkaufen, ist lächerlich. Die Rücklagen sind nur deshalb angestiegen, weil man die Renten massiv gekürzt hat. Das Schwarzbuch Rente von Immanuel Schaich aus Reutlingen zeigt auf, was faul am gesetzlichen Rentensystem ist. http://www.adg-ev.de/Dokumente/Infos/Schwarzbuch%20RV.pdf
    Teufeltabelle: http://www.adg-ev.de/Dokumente/Infos/vfL10Januar.pdf

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