Finanzregulierung
Schäuble will Hochfrequenzhandel an die Leine nehmen

Wolfgang Schäuble ist mit seinen Plänen einer umfassenden, internationalen Transaktionssteuer gescheitert. Nun will der Bundesfinanzminister zumindest erreichen, dass der Hochfrequenzhandel stärker reguliert wird.
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BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist offenbar bereit zu einer abgespeckten Finanztransaktionssteuer, dringt aber auf eine Regulierung des Hochfrequenzhandels an den Finanzmärkten. Die Chancen auf die Umsetzung einer Finanztransaktionssteuer auf EU-Ebene sehe er nur noch als sehr gering an, sagte er nach Angaben von Teilnehmern in der Unions-Bundestagsfraktion am Dienstag.

Auch die Einführung nur in der Euro-Zone sei schwierig, weil dann wiederum einige Euro-Staaten eine „kleine Lösung“ mit dem Hinweis auf Wettbewerbsverzerrungen ablehnten. Sein Haus arbeite an Modellen für eine abgespeckte Steuer, sagte er ohne Details zu nennen. Die FDP hatte die Übernahme einer erweiterten britischen „Stamp Tax“ auf Börsengeschäfte vorgeschlagen. In der Union will man auf jeden Fall auch den Derivatehandel mit einer Abgabe belegen.

In der Fraktionssitzung wies Bundeskanzlerin Angela Merkel zudem die Position von SPD und Grünen zurück, die Koalition müsse der Opposition für die Zustimmung zum Fiskalpakt eine Gegenleistung erbringen. Der Fiskalpakt sei das europäische Pendant zur deutschen Schuldenbremse.

Im Übrigen habe sie sich schon 2009 gemeinsam mit dem damaligen SPD-Finanzminister Peer Steinbrück auf dem G20-Gipfel in Pittsburgh für eine Finanztransaktionssteuer ausgesprochen. Nur zeige sich, dass die Umsetzung schwierig sei. „SPD und Grüne können uns da nicht zum Jagen tragen, weil wir schon längst in den entsprechenden Jagdgründen unterwegs sind“, sagte sie nach Angeben von Teilnehmern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzregulierung: Schäuble will Hochfrequenzhandel an die Leine nehmen"

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  • Der Hochfrequenzhandel ist mit Nichten der einzige Grund für die wirtschaftliche Schwäche. Dazu fällt mir ein Artikel von Alexander Mirtchev ein, den ich Euch nicht vorenthalten möchte: "Will Financial Regulation Trash Economic Security?" (http://www.forbes.com/sites/investor/2012/03/29/will-financial-regulation-trash-global-economic-security/) Lesenswert, weil er sehr pointiert zeigt, dass ein "zu-viel" an Regulierung weder im Sinne des wirtschaftlichen Wettbewerbs, noch zum Vorteil der Marktteilnehmer ist.

  • Da schließe ich mich Ihrer Auffassung an.

  • Aber Schäuble müßte dann durchsetzen, dass die Regulierung auch weltweit durchgesetzt wird. Die UNO hat über 190 Mitglieder. Wie soll das dann durchgesetzt werden. Gut, die meisten bieten gar nicht die techn. Voraussetzungen, aber auch die, welche die haben müßten mitmachen. Und das wird kaum der Fall sein.

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