Finanzstaatssekretär Koch-Weser weist auf Nachholbedarf in Deutschland hin
Bund sieht Banken vor Konsolidierungswelle

Die Bundesregierung mahnt die deutsche Kreditwirtschaft, den lange verzögerten Konzentrations- und Fusionsprozess jetzt in Angriff zu nehmen. „Das Zeitfenster ist begrenzt“, sagte der Berliner Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos dem Handelsblatt. „Es müssen dringend Fortschritte gemacht werden. Der Umstrukturierungsprozess in anderen wichtigen Ländern ist weiter vorangeschritten als in Deutschland.“

DAVOS. Erst in der vergangenen Woche hatte die US-Großbank JP Morgan die Übernahme der Bank One angekündigt und damit die Konsolidierung in den USA beschleunigt. Auch die Banken in Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien haben einen Konzentrationsprozess hinter sich, der zu spürbaren Gewinnsteigerungen und einer höheren Marktkapitalisierung geführt hat. Dadurch ist der Zeitdruck auf die ins Hintertreffen geratenen deutschen Geldhäuser gewachsen.

Eile ist auch deshalb geboten, weil mehrere ausländische Großbanken an der Übernahme deutscher Institute interessiert sind (siehe Kasten). Aus Koch-Wesers Sicht ist prinzipiell zwar nichts gegen grenzüberschreitende Fusionen einzuwenden, aber es sei auch für Deutschland wichtig, eigene „Global Player“ zu haben.

Koch-Weser, der nach Informationen aus Finanzmarktkreisen hinter den Kulissen bereits Gespräche mit Bankern geführt hat, sieht „zwei Baustellen“: Zum einen müssten sich die großen privaten Geschäftsbanken konsolidieren, zum anderen die öffentlich-rechtlichen Landesbanken ihren Konzentrationsprozess beschleunigen, weil Mitte 2005 die Staatshaftung wegfallen und die Landesbanken dann höhere Refinanzierungskosten haben werden. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Dietrich Hoppenstedt, rechnet damit, dass es in diesem Jahr unter den Landesbanken „mindestens eine Großfusion“ geben wird. Hintergrund ist die Diskussion um ein Zusammengehen der Landesbanken von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Der Zeitpunkt für eine Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft gilt momentan als günstig. Laut Koch-Weser haben die Geldhäuser ihre Hausaufgaben bei der Bilanzstärkung und Kostensenkung gemacht. Außerdem sei die Entwicklung der Finanzmärkte und Aktienkurse positiv und ein deutlicher Konjunkturaufschwung spürbar. Darüber hinaus sei der Bundesregierung mit der Agenda 2010 ein entscheidender Reformschritt gelungen.

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