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08.07.2008 
Wirtschaft hält höhere Preise für unvermeidlich

Firmen wälzen Energiekosten auf Kunden ab

von Sven Afhüppe und Klaus Stratmann

Die deutsche Wirtschaft sieht sich wegen der steigenden Energiekosten gezwungen, an der Preisschraube zu drehen. Nach Aussage der großen Wirtschaftsverbände können zahlreiche Firmen die Belastungen nicht mehr auffangen. Von Preiserhöhungen auf breiter Front ist die Rede.

Offenbar ist der Kostendruck in vielen deutschen Unternehmen aber so hoch, dass sie sich zu Preiserhöhungen gezwungen sehen. Geld Foto: dpaLupe

Offenbar ist der Kostendruck in vielen deutschen Unternehmen aber so hoch, dass sie sich zu Preiserhöhungen gezwungen sehen. Geld Foto: dpa

BERLIN. „Viele Unternehmen können die stark gestiegenen Energiepreise bei den engen Margen schlicht nicht allein schultern. Sie haben nur die Möglichkeit der Preiserhöhung, oder sie geraten ernsthaft in Gefahr und damit auch deren Arbeitsplätze“, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dem Handelsblatt. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) rechnen mit Preiserhöhungen auf breiter Front.

Sorge bereitet der deutschen Wirtschaft der rasant gestiegene Preis für Erdöl. In den vergangenen Tagen war der Ölpreis über die Marke von 145 Dollar pro Barrel gestiegen. Als Reaktion darauf erreichten die Spritpreise neue Rekordmarken. Vor allem die Transportbranche sieht sich deshalb enormem Kostendruck ausgesetzt. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat die Unternehmen dennoch davor gewarnt, die hohen Energiekosten an ihre Kunden weiterzugeben. Der Minister fürchtet einen breitangelegten Inflationsprozess, der mittelfristig verheerend auf die Beschäftigung wirken würde.

Offenbar ist der Kostendruck in vielen deutschen Unternehmen aber so hoch, dass sie sich zu Preiserhöhungen gezwungen sehen. „Kein Unternehmen erhöht gern Preise. Unternehmen können es sich in der Regel nicht aussuchen, wann sie die Preise erhöhen. Sie sind dazu gezwungen, wenn der Kostendruck zu hoch wird. Genau das ist jetzt der Fall“, sagte DIHK-Geschäftsführer Wansleben. Laut DIHK könnte die aktuelle Ölpreisentwicklung rund 0,5 Prozent des Wachstums kosten, rein rechnerisch seien das 150 000 bis 200 000 Arbeitsplätze. Besonders hart betroffen sei das Transportgewerbe.

Auch BGA-Präsident Anton Börner rechnet mit einem weiteren Preisschub durch die Unternehmen. Der Preisdruck durch gestiegene Energiekosten erreiche den Großhandel auf breiter Front. „Die Unternehmen müssen sich damit auseinandersetzen und werden nicht umhinkommen, den Preisdruck teilweise weiterzugeben, wenn es nicht zulasten der Ertragskraft und Beschäftigung gehen soll“, sagte Börner dem Handelsblatt. Zwar könnten die Unternehmen noch einen ordentlichen Teil der Preissteigerungen auffangen. Der Druck, diese an die Kunden weiterzugeben, steige aber, sagte Börner, dessen Verband 120 000 Unternehmen mit rund 1,3 Millionen Beschäftigten vertritt.

Beim Bundesverband der Deutschen Industrie heißt es, die höheren Kosten für Energie könnten nur in Ausnahmefällen auf die Kunden abgewälzt werden. „Die Unternehmen können die gestiegenen Kosten nicht ohne Weiteres über den Preis weitergeben. In der Regel sind die Spielräume sehr eng und begrenzt“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf dem Handelsblatt. Insofern steige durch die Inflation der Druck auf die Wirtschaft. Sie müsse versuchen, die Kosten zu senken und die Effizienz in den Wertschöpfungsketten zu steigern. Nach Ansicht des Industrieverbandes können die höheren Kosten allerdings nicht in jedem Unternehmen aufgefangen werden. Wo es nicht anders geht, „müssen am Ende des Tages doch die Preise erhöht werden“, sagte Schnappauf weiter.

Bundeswirtschaftsminister Glos sieht in weiteren Preissteigerungen seitens der Unternehmen die schlimmste Folge der Energiepreisexplosion für das Wirtschaftswachstum. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sorgt sich ebenfalls um einen Rückgang der Binnennachfrage. Die Finanzminister der Euro-Zone wollen deshalb versuchen, das Wachstum zu stützen und die Preise stabil zu halten, hieß es nach einem Treffen der Euro-Gruppe am Montag in Brüssel.

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