Fiskus
Steuerlast ist nicht übermäßig hoch

Die Deutschen sind nicht stärker mit Einkommensteuer belastet als der durchschnittliche Europäer. Das ergibt eine neue Studie der Universität Mannheim. Dagegen müsse es bei der Unternehmensbesteuerung weitere Verbesserungen geben.

BERLIN. „Es gibt zurzeit keinen dringenden Handlungsbedarf, die Einkommensteuersätze zu senken“, sagt Christoph Spengel, Professor für betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität Mannheim. Notwendig sei es dagegen, die Abgeltungsteuer, die 2009 eingeführt wird, besser in die neuen Regeln der Unternehmensbesteuerung einzupassen.

Spengel vergleicht seit Jahren für das ZEW und in Zusammenarbeit mit dem Sachverständigenratsmitglied Wolfgang Wiegard die Steuersysteme in der EU. Studien des ZEW, nach denen die deutschen Unternehmensteuern die höchsten in Europa waren, nahm die Große Koalition zum Anlass für die Unternehmensteuerreform 2008. Wiegard hatte sich ebenfalls unlängst überrascht über die aktuelle Steuerdiskussion zwischen Union und SPD gezeigt, die sich um niedrigere Einkommensteuersätze dreht. In der Debatte über die Liechtensteiner Fälle von Steuerhinterziehungen nennen Unionspolitiker häufig die hohe Steuerlast als Motiv für Steuerhinterziehung.

Nach den Mannheimer Forschungsergebnissen, die Spengel gestern auf einer Fachtagung der Kanzlei Haarmann vorstellte, ist der deutsche Eingangssteuersatz mit 15 Prozent sogar im EU-Vergleich besonders niedrig. Der Spitzensteuersatz liegt demnach zwar über dem Durchschnitt - wenn man den Reichensteuersatz von 45 Prozent zugrunde legt, den Spitzenverdiener ab einem Jahreseinkommen von 250 000 Euro zahlen. Der Satz von 42 Prozent am Ende der Progression liegt jedoch bereits wieder im EU-Durchschnitt. Auch der Progressionsverlauf liegt laut Spengel im Durchschnitt der 27 EU-Mitgliedstaaten. Für ein zu versteuerndes Einkommen von 100 000 Euro liege die Steuerlast nicht nur in Skandinavien, sondern auch in Ländern wie Österreich und Polen höher als in Deutschland.

Anders als bei der Einkommensteuer muss es laut Spengel weitere Verbesserungen bei der Unternehmensbesteuerung geben. Zunächst aber sei die Reform, die zu Jahresbeginn in Kraft getreten ist, eine Verbesserung: Positiv für den Standort wirkten die deutlich niedrigeren Steuersätze für Kapitalgesellschaften, die von 39 auf 30 Prozent sanken. Auch effektiv, also unter Berücksichtigung neu eingeführter Nachteile, sei die Steuerlast um 20 Prozent gesunken. Deutschland liegt bei der effektiven Unternehmensteuerlast im ZEW-Ranking jetzt nicht mehr auf dem schlechtesten Platz eins der Hochsteuerländer, sondern – gleichauf mit Großbritannien – auf Platz vier. Schlechter schneiden Frankreich, Italien und Österreich ab.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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