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Fitschen trifft Steinbrück: Der Banker und sein Bändiger

Ein Symposium in Essen hat Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen und Peer Steinbrück zusammengeführt. Eine Bankenschelte des SPD-Kanzlerkandidaten hätte sich angeboten. Doch es kam ganz anders.

Jürgen Fitschen und Peer Steinbrück. Quelle: dpa
Jürgen Fitschen und Peer Steinbrück. Quelle: dpa

EssenJürgen Fitschen ist angeschlagen. Seine Rede in der Essener Philharmonie beginnt er mit einer Entschuldigung, die Stimme knarzt. „Ich bin etwas heiser“, sagt der Co-Chef der Deutschen Bank. „Ich musste heute viel telefonieren.“ Dann die Bitte um Nachsicht.

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Fitschen muss gerade viel erklären. Seit knapp einer Woche ist er nicht mehr nur als Finanzfachmann gefragt. Großrazzia, Steuerhinterziehung, Beschwerdeanruf – es gibt angenehmere Lebensinhalte. Fitschen ist in Bedrängnis geraten, wird angegangen und nun trifft er auch noch auf Peer Steinbrück, SPD-Kanzlerkandidat und einer, der sich vorgenommen hat, Banken zu bändigen.

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Es ist Montagabend. Das Politische Forum Ruhr veranstaltet mit dem Initiativkreis Ruhr ein Symposium. Die Gäste sind hochkarätig und machen am Eingang der Philharmonie Kontrollen wie am Flughafen nötig. Zu Steinbrück und Fitschen gesellt sich RWE-Chef Peter Terium. Zeit-Herausgeber Josef Joffe moderiert.

Mit „Europas Energie – Werte, Wissen, Wohlstand“ ist der Abend überschrieben. Doch in den Köpfen der Besucher sind die Skandale der Deutschen Bank präsenter. Die meisten erwarten zumindest einen kurzen Schlagabtausch Fitschen versus Steinbrück. Bilanzmanipulationen, Libor-Affäre, kriminelle Geschäfte mit Emissionszertifikaten: An solchen Vorlagen kann ein selbsternannter Banken-Bändiger unmöglich vorbei.

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22 Minuten spricht Steinbrück über Deutschland, Europa und die Energiewende. Wann kommt die erste Spitze, der erste Tadel, die erste Attacke auf Fitschen? Die Redezeit neigt sich dem Ende zu. „Es gibt aber auch unangenehme Wahrheiten“, sagt Steinbrück plötzlich. Er holt Luft. Ein rhetorischer Trick und der ideale Übergang von den Themen Mittelstand, Fachkräftemangel und Industriestandort hin zu einer ordentlichen Bankenschelte.

Doch Steinbrück bleibt bei der Energiewende, bettet sie noch schnell in die europäische Politik ein und schließt à la Kennedy: „Lassen Sie uns aus dieser Energiewende ein Man-on-the-Moon-Projekt machen.“

  • 29.12.2012, 20:07 Uhrsindbad

    Wenn man meint, der Lobbyseuche FDP durch Führungswechsel noch eine Minimalchance bei der Bundestagswahl einräumen zu können, sollten die Sozialdemokraten ebenfalls schleunigst darüber nachdenken.
    Denn, liebe Genossen, verkappte Bankenarschkriecher und gewährende `Genossen der Bankster` werden auch in 2013 alternativlos aus der Mode sein.
    Dazu kommt marketingtechnisch ihr sowieso schon honorig zu recht schwer zu revidierender ambivalenter Ruf, Herr Steinbrück.

  • 29.12.2012, 19:41 Uhrruircf3ruifh

    Und wieder einen SPD-Wähler weniger! Mich. Warum einen scheinheiligen und unglaubwürdigen Steinbrück zum Kanzler wählen, wenn die vielen immer noch ehrwürdigen Sozialdemokraten durch einen Hallodri wie den von einigen Paten im Hinterstübchen ausgezockten `Honorar-Konsul` meinen, die Bankster der Deutschen Bank (Bilanzmanipulationen, Libor-Affäre, kriminelle Geschäfte mit Emissionszertifikaten, vorsätzliche Untreue, Unterschlagung von Beweismittel, etc.) müssen ebenfalls Kanzler bleiben.

  • 19.12.2012, 10:03 UhrIlloinen

    @Schlibsi
    Glauben Sie wirklich, Personen wie Steinbrück, Fiitschen und Co. bräuchten Ihre Unterstützung? Die haben im Zweifel so viele Anwälte zur Stelle, und brauchen mit Sicherheit nicht auch noch „moralische Unterstützung“ vom Wahlvolk. Auch wenn nicht alles zum Thema gepasst hat, aber so ist es nun einmal, wer in der Öffentlichkeit steht muss das aushalten können…. (?) Im Übrigen wer austeilen kann, muss auch einstecken können. Verteidigen jedenfalls würde ich, nach meinen Erfahrungen, keinen Politiker mehr.

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