Flexible Arbeitsmodelle
Licht und Schatten im Osten

Von blühenden Landschaften kann zwar keine Rede sein in den neuen Bundesländern. Doch neben vielen Misserfolgen schlagen sich einige Branchen 15 Jahre nach dem Fall der Mauer sehr wacker. Chemische Industrie und Energiewirtschaft produzieren heute dank modernster Anlagen produktiver als die Konkurrenz im Westen.

HB DÜSSELDORF. Der Einzelhandel in Ostdeutschland leidet unter den Überkapazitäten, die vor allem die Regierung Helmut Kohls zu verantworten hat. Da sie für Handelsimmobilien nach der Wende eine Sonderabschreibung über vier Jahre gewährte, entstanden in Windeseile gigantische Einkaufsparks auf der „grünen Wiese“. Die Innenstädte, in denen oftmals die Eigentumsverhältnisse vieler Läden ungeklärt waren, verödeten, weil der Boom an ihnen größtenteils vorbeizog. Mit einer Verkaufsfläche von 1,3 Quadratmetern pro Einwohner hat Deutschlands Osten nahezu den Stand des Westens (1,4 Quadratmeter) erreicht. Doch die Kaufkraft in den neuen Bundesländern liegt zwischen 21 und 25 Prozent unter dem deutschen Durchschnitt. Vielen Handelsunternehmen, die sich massiv in Ostdeutschland engagierten, wurde dies zum Verhängnis. cs

Im Kampf gegen die Konkurrenz haben sich viele deutsche Autokonzerne trotz der Kritik an den Bedingungen in Deutschland für einen Standort im Osten der Republik entschieden. Während viele Unternehmer klagen, investieren Daimler, BMW, Porsche und Volkswagen in den Neuen Bundesländern Milliarden Euro, bauen neue Werke und schaffen Jobs. Basis für die Milliardenentscheidungen im Osten waren allerdings überwiegend ein Entgegenkommen der Belegschaften: mit neuen Arbeitszeitmodellen und flexibler Fertigung gelang es, die internationale Konkurrenz auszustechen. hz

Einen Gegenpol zum verbreiteten Pessimismus der Wirtschaft in den neuen Bundesländern bildet die Chemische Industrie. Nach der Wende von den neuen Eigentümern mit großem Aufwand durchsaniert, produziert sie heute dank modernster Anlagen und niedrigerer Löhne im Durchschnitt zu geringeren Kosten als die Betriebe in Westdeutschland - laufende Subventionen spielen dabei nach Branchenangaben keine wesentliche Rolle. So wuchs die ostdeutsche Chemie 2003 um rund 5 Prozent - dies im schlechtesten Chemiejahr seit langem, in dem die Chemie in Deutschland insgesamt rückläufige Erlöse meldete. Auf Ostdeutschland entfallen rund 7 Prozent der deutschen Chemie-Wertschöpfung von insgesamt rund 135 Milliarden Euro. abo

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