Flick-Skandal
Die CCDDDFPPSSUU-Affäre

Der Routinevorgang eines Beamten entpuppt sich als Beginn des damals größten Politskandals der Bundesrepublik. Die Flick-Parteispendenaffäre erreicht im November 1983 einen Höhepunkt: Otto Graf Lambsdorff wird angeklagt. Es ist ein Tag, der Bonn erbeben lässt.

DÜSSELDORF. Die Fassade ist heruntergekommen, der Eingang schäbig. Keine Frage, der langgestreckte Bau mit den schmutzigen Platten hat bessere Zeiten erlebt. Die Rollos hinter den Fenstern hängen schief, einige sind ganz aus der Verankerung gerissen. Die Farbe von dem Tor, das den Zugang zu dem Haus versperrt, ist abgeblättert. Die Hecke daneben verwuchert.

Alles auf dem Gelände gammelt ungenutzt vor sich hin. „Und das seit Jahren“, erzürnt sich ein Rentner, der mit seinem krummbeinigen Dackel vorbeikommt. „Angeblich ist das Gebäude asbestverseucht und muss abgerissen werden, hab’ ich gehört“, erzählt der Mann, „aber nichts passiert, der Schandfleck bleibt.“

Der Schandfleck im feinen Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel ist auch das Symbol eines Schandflecks deutscher Wirtschaftsgeschichte. Hier in der Mönchenwerther Straße 15 saßen einst die Lenker des einst größten deutschen Unternehmens im Familienbesitz: des Flick-Konzerns. Die Produktpalette reichte vom Panzer bis zur Badewanne, vom Heizkessel bis zur Jagdpatrone. Was den Konzern besonders auszeichnete, waren gute Beziehungen in die Politik. „Der Draht ist kurz“, pflegte ein Flick-Manager zu sagen: „Der wechselseitige Respekt bringt es, dass wir uns zuhören, um zu überlegen, wie man aus der Kompetenz des anderen für die eigene Arbeit Nutzen ziehen kann.“

Dieses besondere Verhältnis zwischen dem Konzern und den Regierenden beschert dem Land vor mehr als 20 Jahren den damals größten Politskandal der Nachkriegszeit: die Flick-Parteispendenaffäre. Führungskräfte der Friedrich Flick Industrieverwaltung KGaA und Politiker der FDP kommen vor Gericht – wegen Bestechung und Bestechlichkeit.

Angeklagt werden der damalige Bundeswirtschaftsminister Otto Friedrich Wilhelm Freiherr von der Wenge Graf Lambsdorff, sein Vorgänger Hans Friderichs, der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Horst Ludwig Riemer sowie die Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch und Manfred Nemitz. Die Politiker sollen vom Konzern hohe Summen kassiert und im Gegenzug einen beachtlichen Steuerrabatt abgenickt haben.

Dass einem Bundesminister im Amt der Prozess gemacht wird, das hatte es noch nie gegeben. Es sei ein Tag, „der Bonn erbeben ließ“, schreibt „Die Zeit“ über den 29. November 1983, als Bonner Staatsanwälte verkünden, „gegen Dr. Graf Lambsdorff Anklage zu erheben“.

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