Florian Bernschneider
Kein bisschen wild, aber im Bundestag

Mit gerade einmal 22 Jahren ist Florian Bernschneider der jüngste Abgeordnete im neugewählten Bundestag. Als junger Wilder taugt der adrette BWL–Student trotzdem nicht: Als gelernter Banker sucht der FDP-Politiker den seriösen Auftritt, um seine Vorstellungen umzusetzen.
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Zweiundzwanzigjährige tragen keine Krawatten. Zumindest keine gestreiften. Außer sie sind Banker. Oder Abgeordneter. Oder Beides. Wie Florian Bernschneider. Vor vier Wochen kannte ihn niemand, inzwischen hat der Braunschweiger einen Interview-Marathon hinter sich.

Das Medieninteresse gilt weniger seinem politischen Standpunkt. Bernschneider ist der jüngste Abgeordnete – 51 Jahre jünger als Alterspräsident Heinz Riesenhuber. Das lockt die Journalisten. Unerfahren wie er ist, kann Bernschneider denen eigentlich kaum was erzählen. Deshalb erzählt er, dass es seine Lehrer waren, die ihn zur Politik brachten. „Florian, du bist doch der FDP-Mann“, haben sie gesagt.

Als junger Wilder taugt der adrette BWL–Student nicht. Selbst wenn er in seinem Auftritt beim Internetportal YouTube behauptet, eine „richtige Wahlkampfsau“ zu sein, klingt auch das eher brav.

Beruflich geht der Betriebswirtschaftsstudent einen in Deutschland noch nicht sehr verbreiteten Weg, er studiert im Dualen System: Die Praxis lernt er bei der Norddeutschen Landesbank, die Theorie an der Berufsakademie „Leibniz-Akademie“ in Hannover. Deren Absolventen sind durchschnittlich 23 Jahre alt – die Chancen, dass sich Bernschneider in der zweiten Halbzeit der Legislatur voll der Politik widmen kann, stehen also gut.

Den Staffelstab als jüngster Parlamentarier übernimmt Bernschneider von der Grünen Anna Lührmann, die sogar zwei Legislaturperioden lang das Nesthäkchen war. Die Grünen-Fraktion im Reichstag ist auch jetzt wieder die jüngste, dicht gefolgt von der FDP. Lührmann hat der Politik schon wieder ade gesagt. Andere sind richtig was geworden. Der Sozialdemokrat Carsten Schneider – Bundestags-Benjamin von 1998 – ist haushaltspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Und der Novize von 1994, Matthias Berninger von den Grünen, hat nach einer beachtlichen Politkarriere nun einen Topjob beim Süßwarengiganten Mars.

Anno 1976 hieß das Nesthäkchen Ingrid Matthäus-Maier – und schaffte es bis an die Spitze der Staatsbank KfW. Und Helmut Kohl war einst jüngster Abgeordneter in Mainz, aber da war er „schon“ 29.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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