Flüchtlinge: 465.000 arbeitsuchende Flüchtlinge

Flüchtlinge
Nach fünf Jahren hat jeder Zweite Arbeit

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465.000 arbeitsuchende Flüchtlinge

Nach der BA-Beschäftigungsstatistik ist die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von Anfang 2015 bis Ende 2016 allein durch den Zuzug von Menschen aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern um 687.000 Personen gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten aus diesen Ländern legte im gleichen Zeitraum um 80.000 zu; das heißt nur knapp jeder Achte hat Arbeit gefunden. Einen sozialversicherungspflichtigen Job hatten neun Prozent der in den zwei Jahren eingereisten Flüchtlinge.

Wie auch von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erwartet, schlägt sich die Fluchtmigration zunächst vor allem in der Arbeitslosenstatistik nieder. Bei der BA waren im März gut 177.000 Geflüchtete arbeitslos gemeldet. Als arbeitsuchend waren gut 465.000 Flüchtlinge registriert. Die Differenz erklärt sich dadurch, dass viele der Schutzsuchenden noch an Integrationskursen oder Fördermaßnahmen teilnehmen und deshalb noch nicht in die Arbeitslosenstatistik eingehen.

Nicht erfüllt haben sich die Erwartungen an das Ein-Euro-Job-Programm für Flüchtlinge. Im Sommer 2016 hatte das Bundeskabinett entschieden, bis Ende 2020 jährlich 100.000 Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, und dafür gut eine Milliarde Euro reserviert. Das Programm richtet sich vor allem an Asylbewerber, die noch mitten im Verfahren stecken und nicht regulär arbeiten dürfen. Sie sollten gegen ein kleines Entgelt einfache Tätigkeiten etwa in Flüchtlingsunterkünften übernehmen.

Nach Auskunft des Arbeitsministeriums sind bis zum 27. März aber nur 24.632 Plätze beantragt und 21.021 bewilligt worden. Die geringe Nachfrage führt das Ministerium neben der nötigen Anlaufzeit für jedes neue Programm darauf zurück, dass das Flüchtlingsamt BAMF die Asylverfahren heute deutlich schneller abschließt als noch Mitte 2016. Anerkannte  Flüchtlinge stünden also rascher dem regulären Arbeitsmarkt zur Verfügung. Deshalb sei die Notwendigkeit nicht mehr so groß, Arbeitsgelegenheiten zur Überbrückung der Wartezeit zu schaffen.

Die Bundesregierung wird ab dem kommenden Jahr deshalb 240 Millionen Euro, die ursprünglich für das Ein-Euro-Job-Programm eingeplant waren, den Jobcentern zur Verfügung stellen. Diese könnten das Geld besser nutzen, um Flüchtlingen mit guter Bleibeperspektive zu einer Stelle zu verhelfen, heißt es aus dem Nahles-Ressort. Für Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge stünden trotzdem weiterhin bis zu 60 Millionen Euro jährlich zur Verfügung.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, spricht dagegen von einem „Scheitern mit Ansage“ des Programms. Experten hätten die Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge von Anfang an als arbeitsmarktfern, nutzlos und bürokratisch kritisiert. Schon bei  der Gesetzgebung sei zudem klar gewesen, dass eine Beschleunigung der Asylverfahren Zwischenlösungen für nicht anerkannte Asylbewerber überflüssig machen würde.

„Arbeitsministerin Nahles hätte das Geld von vornherein besser in Sprachkurse, Qualifizierungen und betriebliche Maßnahmen für Asylbewerber und Flüchtlinge investieren sollen. Das ist auch jetzt Gebot der Stunde“, sagte Pothmer. Sie bezweifelt die Darstellung des Ministeriums, dass das Geld, das nun in die Jobcenter fließen soll, tatsächlich der Flüchtlingsintegration zugutekommt. Vielmehr würden mit den Mitteln Haushaltslöcher der chronisch klammen Jobcenter gestopft.        

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @ Herr Grande

    Ärgern Sie sich nicht über das Löschen! Ich habe festgestellt: Je prägnanter man hier die Wahrheit schreibt, desto sicherer wird man auch gelöscht. L-Presse eben.

    Aber was schreiben Sie da über "arbeiten" im Ausland? Von den EU-Staaten mal abgesehen, versuchen Sie mal, nach Kanada, Australien oder Neuseeland auszuwandern und dort zu arbeiten! Da müssten Sie schon über einen sehr ausgefallenen und gesuchten Beruf verfügen. Man wird Ihnen schon bei der Visabeantragung klarmachen, dass Sie nur zum Geldausgeben ins Land gelassen werden, aber keinesfalls zum Geldverdienen.

  • Gem. einer Untersuchung des Kantons Aargau (Schweiz) bleiben 78% der "Asylanten" (in D wird der Begriff "Flüchtlinge" verwendet) dauerhaft ganz, oder teilweise auf staatliche Leistungen angewiesen. Bei "Asylanten" aus Afrika ist die Quote höher, aus Asien niedriger.

    Aufgrund der ähnlichen Struktur der Arbeitsmärkte Deutschlands und der Schweiz ist dies vermutlich auch für den hiesigen Arbeitsmarkt übertragbar.

    Bei den Deutschen Zahlen stellt sich die Frage wie/was gezählt wird.

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