Flüchtlinge in der Arbeitswelt
„Die Masse kommt erst im zweiten Quartal“

Wie funktioniert die Integration von Flüchtlingen in deutsche Unternehmen? Einige Konzerne haben Programme dazu gestartet – mit unterschiedlichen Erfahrungen.

Ludwigshafen/Stuttgart Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren. Das klingt gut und ist erklärtes politisches Ziel: Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) brachte die Idee von Ein-Euro-Jobs für Asylbewerber auf, Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) schlug jüngst ein Gesetz ins Gespräch, das die Integration in den Arbeitsmarkt zur Pflicht machen soll. Große Konzerne haben schon im vergangenen Jahr eigene Initiativen gestartet. Eine erste Bilanz fällt gemischt aus.

Beim Autobauer Daimler (170.000 Mitarbeiter in Deutschland) haben im vergangenen Herbst 40 „Brückenpraktikanten“ angefangen. Fast alle hätten danach ein Job angeboten bekommen, sagte ein Konzernsprecher. Manche bei Zeitarbeitsfirmen, andere bei Mittelständlern, zwei der Flüchtlinge sollen im Herbst eine Ausbildung bei Daimler beginnen. Weitere Praktikanten würden eingestellt – in ganz Deutschland sollen es bis zum Sommer 300 werden. Die ersten sechs Wochen bekommen sie Geld von der Bundesagentur für Arbeit, dann zahlt Daimler.

Ganz so rosig beschreibt BASF (rund 50.000 Mitarbeiter in Deutschland) seine Erfahrungen nicht. Der Chemiekonzern hat zum vergangenen Oktober 50 Flüchtlinge in ein Kennenlern-Programm aufgenommen, das die Teilnehmer auf den Arbeitsmarkt vorbereiten soll. Bislang sei noch keiner bereit für ein bezahltes Praktikum, eine Ausbildung oder gar den Direkteinstieg. „Wir sammeln noch viele Erfahrungen, wo Hindernisse sind“, sagt eine Sprecherin.

Aufenthaltsstatus und Arbeitsrecht seien große Hürden, genauso wie Deutschkenntnisse. So müssen die potenziellen Mitarbeiter bei dem Chemiekonzern in der Lage sein, Sicherheitsvorschriften auch auf deutsch zu verstehen. BASF plane deshalb derzeit noch nicht, eine weitere Gruppe von Flüchtlingen aufzunehmen, so die Sprecherin.

Die Organisation pro Asyl lobt die Initiativen, begegnet ihnen allerdings auch mit Skepsis. „Das muss man auch im Kontext der Werbeoffensiven sehen, die gestartet wurden“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer von Pro Asyl, Bernd Mesovic. „Unterm Strich kommt dabei wenig raus“.

Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sieht man das anders. Praktika seien ein guter Berufseinstieg, sagt Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach, da so Kontakt zwischen Flüchtlingen und Firmen entstehe. Allerdings dürften die beim Lohn nicht schlechter gestellt werden. Der Bund müsse dazu Mittel bereitstellen - genau wie für andere Gruppen, die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt hätten.

Zeitarbeit hält Buntenbach für kontraproduktiv, da das meist kurze und unsichere Arbeitsverhältnisse seien. Viele der Flüchtlinge hätten Schulden oder wollten ihre Familien unterstützen, die noch in der Heimat oder in Flüchtlingscamps lebten. Auch deshalb sei für viele eine schlecht bezahlte Ausbildung nicht attraktiv.

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