Flüchtlinge in Deutschland Knapp zwei Drittel haben einen Schulabschluss

Eine Meldung der „Bild“-Zeitung hatte Alarmstimmung ausgelöst. 59 Prozent der Flüchtlinge hätten keinen Schulabschluss, heißt es in dem Artikel. Eine neue Befragung zeichnet jedoch ein deutlich positiveres Bild.
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Knapp zwei Drittel der erwachsenen Flüchtlinge haben vor ihrer Ankunft in Deutschland nach eigenen Angaben einen Schulabschluss erworben. Quelle: dpa
Neue Umfrage

Knapp zwei Drittel der erwachsenen Flüchtlinge haben vor ihrer Ankunft in Deutschland nach eigenen Angaben einen Schulabschluss erworben.

(Foto: dpa)

BerlinDie Debatte um das Bildungsniveau der Flüchtlinge in Deutschland geht in eine neue Runde: Nach einer neuen repräsentativen Befragung haben 64 Prozent, also fast zwei Drittel der erwachsenen Flüchtlinge, einen mittleren Schulabschluss oder Abitur. Insgesamt haben demnach 78 Prozent eine weiterführende Schule besucht. Am anderen Ende der Skala fanden sich elf Prozent, die nur eine Grundschule, und weitere elf Prozent, die gar keine Schule besucht haben.

Das ergab eine Befragung von knapp 5.000 Flüchtlingen, die zwischen Anfang 2013 und Anfang 2016 nach Deutschland gekommen waren. Die Autoren sind Mitglieder einer Expertengruppe am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) unter Leitung des renommierten Migrationsforschers Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Zu der Gruppe zählen Experten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, des Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ) und des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP). Die Befragung soll nun jährlich wiederholt werden.

Die größten Krisenherde der Welt
Syrien
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Der Syrien-Krieg ist der wohl schlimmste Konflikt der Gegenwart. Eine friedliche Lösung ist noch nicht in Sicht. Die Unruhen haben im Frühjahr 2011 mit Protesten gegen den Staatspräsidenten Assad begonnen. Die zunächst friedlichen Demonstranten wehrten sich gegen die Unterdrückung durch das Regime und forderten mehr Freiheit. Seitdem kämpfen Anhänger der Regierung, die Opposition und auch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ um die Macht im Land. Mittlerweile sind bei dem Konflikt schon mehr als 250.000 Menschen ums Leben gekommen. Knapp zwölf Millionen Menschen haben ihr Zuhause verloren.

Irak
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Die Terrormiliz Islamischer (IS) Staat hat immer noch Teile des Irak unter ihrer Kontrolle. Die Befreiung des Landes vom IS ist laut dem dortigen UN-Gesandten Jan Kubis allerdings nicht mehr weit entfernt. Militäreinsätze gegen den IS würden „in der eher nahen absehbaren Zukunft“ zu einem Ende kommen, sagte Kubis vor dem Weltsicherheitsrat in New York. Die Tage der Terrororganisation seien gezählt. Das Land ist seit dem Sturz Saddam Husseins im Jahr 2003 destabilisiert. Die Vereinten Nationen schätzen, dass alleine im vergangenen Jahr knapp 7000 Zivilisten durch den Krieg ums Leben gekommen sind. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht.

Afghanistan
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Im Jahr 2001 sind die USA in das Land einmarschiert, um das Terrornetzwerk Al-Kaida auszulöschen und die Taliban von der Macht zu vertreiben. Doch die beiden Gruppen töten weiter. Afghanistan steckt immer noch tief in der Krise. Mit rund 11.500 Toten und Verletzten hat die Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 3498 Zivilisten getötet und 7920 verletzt worden. Das sind etwas mehr als im Vorjahr. Unter anderem haben die Anschläge der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) deutlich zugenommen: Die Opferzahl durch IS-Angriffe hat sich im Vergleich zum Vorjahr verzehnfacht. Insgesamt gingen 61 Prozent der zivilen Opfer den Vereinten Nationen (UN) zufolge auf regierungsfeindliche Gruppen, wie die radikalislamischen Taliban und den IS zurück. Laut UN gab es zunehmend Selbstmordattentate etwa in Moscheen.

Ukraine
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Die Ostukraine erlebt derzeit die schwersten Gefechte seit Monaten. Innerhalb einer Woche sind in den Reihen der Regierungstruppen und der prorussischen Separatisten jeweils mehr als 15 Kämpfer getötet worden. Manche Beobachter sehen die Schuld bei Russland. Mit einer gezielten Eskalation durch die moskautreuen Separatisten wolle Russland die Reaktion der neuen US-Regierung testen, heißt es. Andere machen die Ukraine verantwortlich. Kiew wolle die Aufmerksamkeit des Westens wieder auf den Konflikt lenken und zudem eine mögliche Lockerung der westlichen Sanktionen gegen Russland verhindern, heißt es. Seit Beginn der Aufstände im Jahr 2014 sind nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens knapp 10.000 Menschen ums Leben gekommen.

Nigeria
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Die Islamistengruppe Boko Haram sorgt in Nigeria seit dem Jahr 2011 für Terror. Ihr Ziel ist es, einen eigenen Islamischen Staat zu gründen, dazu ermordet sie Christen und Muslime. Militärisch hat Nigeria die Boko Haram zurückgedrängt. Doch die sunnitschen Extremisten führen immer noch Anschläge im Nordosten des Landes aus. Mehr als zwei Millionen Nigerianer sind vor der Gewalt geflohen und leben in Flüchtlingslagern, wie zum Beispiel hier in Maiduguri. Im Nordosten des Landes sind den Vereinten Nationen zufolge fünf Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, rund zwei Millionen von ihnen gelten bereits als mangelernährt.

Mali
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er Norden Malis und die angrenzenden Gebiete der Sahelzone sind ein Rückzugsgebiet für Rebellen und islamistische Terroristen. Seit dem Sturz der Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré im März 2012 herrscht Chaos im Land. Neben Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) sind die Terrorgruppen Ansar Dine und Al Mourabitoun in dem Land aktiv. Die Islamisten zwingen der Bevölkerung in den von ihnen besetzten Städten eine fundamentalistische Form der Scharia auf. Zuletzt gab es auch vermehrt Anschläge im Zentrum des Landes. Zuletzt sind am 18. Januar mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. Bis zu 15.000 UN-Blauhelmsoldaten und Polizisten bemühen sich um eine Stabilisierung des Landes. Deutschland beteiligt sich mit rund 500 Bundeswehrsoldaten an dem Einsatz - bald sogar mit bis zu 1000 Soldaten.

Südsudan
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Die jüngste Nation der Welt steht auf der Kippe. Das Land stürzte Ende 2013 in einen blutigen Bürgerkrieg. Auf der einen Seite stehen die Anhänger von Präsident Salva Kiir, auf der anderen die seines früheren Stellvertreters Riek Machar. Der Streit hat auch eine ethnische Komponente. Die beiden Männer gehören den beiden größten Volkgruppen des Landes, den Dinka und den Nuer, an. Die Vereinten Nationen warnen vor einem Völkermord. Etwa 13.000 Blauhelmsoldaten bemühen sich um eine Stabilisierung des ostafrikanischen Landes, die Entsendung von weiteren 4000 ist schon beschlossen. Der Ende 2013 ausgebrochene Konflikt hat Zehntausende Menschenleben gefordert; knapp drei Millionen Menschen sind auf der Flucht vor der Gewalt. Nach UN-Angaben haben rund 4,8 Millionen Menschen - also etwa jeder dritte Südsudanese - nicht genug zu essen.

Mit Blick auf die Integration der Flüchtlinge und den deutschen Arbeitsmarkt lässt auch dieses Ergebnis zwar nicht frohlocken – aber zumindest aufatmen. Denn zuletzt hatte eine Meldung der „Bild“-Zeitung viel Schlimmeres erwarten lassen: 59 Prozent hätten keinen Schulabschluss, hieß es dort unter Bezug auf eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Basis war die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Diese Ergebnisse seien jedoch aus mehreren Gründen unseriös, sagte Brücker dem Handelsblatt. Denn das BIBB war davon ausgegangen, dass die große Gruppe der Flüchtlinge von 25 Prozent, über deren Schulbildung es bei der BA keine Angaben gibt, auch keinen Schulabschluss hat. Für fehlende Angaben gebe es jedoch vielfältige Gründe, so Brücker: falsche oder keine Aussagen der Flüchtlinge dazu, die das deutsche System nicht kennen, fehlende Zeugnisse oder auch schlicht Versagen der Bearbeiter, die die Formulare ausfüllten. Schließlich fehlten auch bei elf Prozent der bei der BA registrierten Deutschen Angaben zum Schulabschluss, so Brücker.

Zudem umfasse die Statistik der BA nur die Arbeitssuchenden. Völlig außen vor blieben deshalb die im Schnitt deutlich besser ausgebildeten Flüchtlinge, die bereits arbeiten. „Das sind ein Jahr nach Ankunft rund zehn, nach zwei Jahren rund 22 und nach drei Jahren 30 Prozent“, so Brücker.  Auch Flüchtlinge, die gerade einen Sprachkurs machen, zählen nicht zu den Arbeitssuchenden. Die Grundgesamtheit der BA-Zahlen zur Schulbildung der Flüchtlinge verzerre das Ergebnis also eindeutig negativ.

Auch das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hatte die Meldung der Bild auf Basis der BIBB-Studie heftig kritisiert. Das IW selbst geht nach eigenen Berechnungen davon aus, dass 46 Prozent der Flüchtlinge keinen Abschluss haben.

Auch dieser Wert wird nun vom IAB noch unterboten. Denn auch in deren Befragung machen acht Prozent der Flüchtlinge keine Angaben zum Schulabschluss. Die Autorengruppe geht davon aus, dass deren Abschlüsse im Schnitt zwar schlechter sind als bei der Mehrheit, die Angaben machte. „Doch selbst wenn man davon ausgeht, dass von diesen acht Prozent kein einziger einen Schulabschluss hat – was extrem unwahrscheinlich ist – haben wir unterm Strich immer noch 59 Prozent der Flüchtlinge mit Abschluss“, so Brücker.

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7 Kommentare zu "Flüchtlinge in Deutschland: Knapp zwei Drittel haben einen Schulabschluss"

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  • @Frau Claudia Dorfner

    Das ist die neue Methode, um den dummen, natürloich nicht befragten Bürgern mit
    "Erfogstories" ruhig zu stellen.

    Dabei setzt man darauf, dass die Meisten nicht mehr als die Überschrift des Artikels lesen, oder den Inhalt, wenn es hoch kommt, den Artikel inhaltlich nur überfliegen.

    Das Gleiche passiert bei Fake-News im ÖR, wenn absurde Vergleich gemacht werden, um dann zu behauten, der oder die von der AfD verbreiten Fake-News.

  • Wer wurde denn befragt? Die Leute selber? Wie naiv ist das denn? Denen wurde doch von den Schleppern alles gesagt, was sie antworten sollen. Dazu gehört euch ein möglichst hoher Bildungsabschluß.
    Ich gehe davon aus, daß das nicht belegt werden konnte (obwohl Fälschungen in Afrika leicht zu beschaffen sind)
    Unsäglich, was hier für Milchmädchen-Artikel erscheinen!

  • Was würden die Meisten sagen, wenn sie danach befragt würden?

    "Ganz ehrlich. Ich bin ein Dummerchen?"

    oder

    "Habe auf der Flucht meine ganzen Dipplome verloren. Aber ..... ?"

  • "Nach eigenen Angaben"

    Genauso konkret und vielsagend wie aus einer anderen Befragung:

    "Haben Sie Arbeit?"

    Trotz des erstaunlichen Ergenisses war die Kurve der Arbeitsplatzangebote nicht im Sinkflug.

  • Sowie die bei uns herumlungern müssen die einfach sehr gebildet sein. Kaum eine Gemeinde -Städte sowieso- kann nicht genug von Ihnen bekommen. Her damit, es ist unsere Zukunft.

  • Schulabschluss aus Afrika, so wichtig wie der aus NRW.

  • "Knapp zwei Drittel haben einen Schulabschluss" Welche wissenschaftliche Relevanz sollen derartige Befragungen haben? Nach unseren Erfahrungen behaupten viele, sie hätten studiert. Aber natürlich sind genau diese Dokumente verloren!

    Warum mit dem Mobiltelefon keine Fotos der Dokumente gefertigt werden konnten, bleibt natürlich ein ewiges Rätsel. Dazu fällt mir ein, das unser libanesische Friseur in Abu Dhabi auch kurz nach Deutschland gekommen ist und neue Papiere bekommen hatte. Er ist inzwischen wieder zurück in den Emiraten und schwärmt von Deutschland.

    Eine Korrektur bitte: wir haben Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon gesehen, auch in der Türkei. Aber in Deutschland sind es keine Flüchtlinge mehr, sondern Migranten. Das sehen unsere arabischen Freunde übrigens genauso.

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