Flüchtlinge in Deutschland
Städtetag hält 300.000 neue Wohnungen für nötig

Die steigende Zahl an Flüchtlingen stellt Städte und Gemeinden vor Probleme. Eine dezentrale Unterbringung in Wohnungen ist für viele Kommunen nicht mehr machbar. Eine Forderung: Mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau.

MainzDie Flucht aus Syrien und die Erstaufnahme liegen hinter Adnan und Daim. Jetzt sind die Brüder zusammen mit ihrer Mutter in Mainz angekommen, in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Zwerchallee. Die Kommunen haben die Hauptaufgabe bei der Unterbringung der geflüchteten Menschen zu bewältigen. In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt werden es dieses Jahr etwa 2000 sein. „Wenn es so weitergeht mit den Prognosen, weiß ich beim besten Willen nicht mehr wohin mit ihnen“, sagt der Mainzer Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD). Unbedingt vermeiden will er die Unterbringung in Zelten oder Turnhallen.

Die Möglichkeiten für reguläre Unterkünfte seien „fast überall ausgeschöpft“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Stephan Articus. Die Städte müssten immer mehr auf Notquartiere und Provisorien ausweichen, die keine dauerhafte Lösung sein könnten. „Bund und Länder sollten ihre Mittel für die soziale Wohnraumförderung deutlich aufstocken, damit genügend bezahlbare Wohnungen für alle Gruppen mit niedrigen Einkommen entstehen.“

Der Städtetag rechnet wegen der hohen Flüchtlingszahlen mit einem jährlichen zusätzlichen Bedarf von mindestens 300.000 neuen Wohnungen in Deutschland. „Darunter sollten mindestens 30.000 bis 40.000 geförderte Sozialwohnungen sein, im Moment sind es erst halb so viele“, sagte Städtetagspräsidentin Eva Lohse der „Rheinischen Post“.

Noch ist Platz in den vierstöckigen Häusern an der Zwerchallee in Mainz. Sozialpädagogin Annika Oppermann kümmert sich dort für die Stiftung Juvente Mainz um Neuankömmlinge. Die Gemeinschaftsunterkunft wird ausgebaut, bald sollen dort am Rande eines Industriegebiets 400 Menschen wohnen. Sind da Konflikte nicht programmiert?

Streit sei normal, antwortet die Flüchtlingsbetreuerin – „wie in jedem anderen großen Mehrfamilienhaus auch“. Bei der Zuteilung der Wohnungen achtet sie darauf, dass die Menschen zueinander passen. Wie Igbal und Roya. Die beiden zwölfjährigen Mädchen aus Mazedonien und Afghanistan sind gute Freundinnen, sie spielen Fußball und gehen zusammen zur Schule, in die 5. Klasse. Igbals Vater aber sorgt sich, dass er mit seinen vier Kindern nicht in Deutschland bleiben darf: „Wir haben Angst vor der Abschiebung.“

Städte und Gemeinden sind erfinderisch bei der Aufnahme von so vielen Menschen in Not, es gibt unterschiedliche Konzepte. In vielen Großstädten kommen sie zunächst in eine Gemeinschaftsunterkunft. Dort könne eine bessere Betreuung gewährleistet werden, erklärt Merkator. Binnen eines Jahres sollen die neuen Mainzer in Wohnungen vermittelt werden. Doch der Wohnraum wird immer knapper.

Seite 1:

Städtetag hält 300.000 neue Wohnungen für nötig

Seite 2:

„Kommunen können das nicht alleine schaffen“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%