Flüchtlinge kommen zu Wort
Planlos in Deutschland

Für Flüchtlinge aus Syrien oder dem Iran haben die Behörden eine klare Vorgehensweise. Doch bei manchen Herkunftsländern haben Ämter keine Lösung parat. Ein Staatenloser erzählt.

Ich weiß nicht, wo ich hingehöre. Und Deutschland weiß es auch nicht. Jedes Amt schickt mich zu einem anderen und so gehe und fahre ich von A nach B und wieder zurück. Nie bekomme ich eine richtige Antwort oder das, worum es mir eigentlich geht: Papiere.
Für Flüchtlinge aus Syrien oder dem Iran haben die Behörden einen Plan, für manche sogar richtig gute Lösungen. Sie können in Deutschland ankommen, arbeiten und sich ein neues Leben aufbauen. Das möchte ich auch. Das Problem ist aber: Ich bin ein Staatenloser.

Ich bin in Kuwait geboren. Das ist ein Staat in Vorderasien auf der arabischen Halbinsel. Mein Großvater und mein Vater waren Beduinen, also bin ich auch einer. In Kuwait nennen sie uns „Bedun“. Das heißt übersetzt „ohne“ – denn wir haben kaum Rechte. Wir bekommen keinen Ausweis, sind also eigentlich illegale Einwohner. Wir dürfen nicht in offiziellen Positionen arbeiten und auch keine öffentlichen Schulen besuchen. Viele von uns können nicht lesen und schreiben.
Ich hatte Glück, meine Eltern konnten mich zur Bischofsschule schicken. Die kostet 1.200 Dollar im Jahr. Der Schulausweis ist noch das einzige Dokument, das ich habe. Darauf stehen mein Name, mein Geburtstag und geboren in Kuwait. Nur bei Staatsangehörigkeit steht „none“ – also keine. Dass wir nicht dazugehören, merken wir auch, wenn wir krank sind. Dann brauchen wir auch wieder viel Geld. Nur dann werden wir im Krankenhaus auch behandelt.

In Kuwait durfte ich nicht studieren. Also bin ich nach Jordanien gegangen, um Pharmazie zu studieren. Das ist rund 2.000 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt. Als ich nach elf Monaten wieder zurückkommen wollte, durfte ich nicht in mein eigenes Land einreisen. Die Begründung: Ich bin ein „Bedun“, kein Kuwaiter. Deswegen musste ich gehen. Ich bin ein politischer Flüchtling.
Ich bin dann nach Jordanien zurückgegangen und habe von dort aus meine Flucht geplant. Zuerst bin ich nach Syrien gelaufen. Da war ich dann zehn Monate, um Geld für einen Flug zu sammeln. Als ich das beisammen hatte, bin ich über die Türkei in die Ukraine gereist. Das ist jetzt schon sechs Jahre her.

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